Skip to main content

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated Cookie policy, Privacy policy and Terms & Conditions

grandi5_K M AsadLightRocket via Getty Images_refugee education K.M. Asad/LightRocket via Getty Images

Schließt die Ausbildungslücke für Flüchtlinge

GENF – Zu investieren – sei es in Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold, Lotterietickets oder in das neuste Startup – geht heute schnell und leicht. Bei Investitionen in Menschen sind die Dividenden hingegen nicht immer so klar – ebenso wenig die Mittel, anhand derer die Rendite berechnet werden kann.

Und in Menschen zu investieren, die von ihrem Heimatland entwurzelt sind, ihren Lebenserwerb und ihr Eigentümern verloren haben, vielleicht sogar von ihren Familien getrennt wurden und gezwungen sind, völlig von vorn anzufangen, überlegt man sich wahrscheinlich zweimal. Aber tatsächlich gehören Investitionen in Flüchtlinge zu den besten, die es gibt. Die Ausbildung jener, die durch Konflikte und Aufstände entwurzelt wurden, ist kein finanzieller Aufwand, sondern eine goldene Gelegenheit.

Für die meisten Menschen in den Industrieländern bedeutet Ausbildung, ihre Neugier zu befriedigen, ihre Neigungen zu entdecken und zu lernen, in der Welt der Arbeit, des zivilen und des sozialen Lebens für sich selbst sorgen zu können. Für Flüchtlinge hat Ausbildung denselben Nutzen, leistet aber noch viel mehr: Sie ist der sicherste Weg, nach dem Trauma der Vertreibung einen Sinn für Zweck und Würde wiederzufinden. Außerdem hilft sie, wirtschaftliche Eigenständigkeit zu erlangen – oder sollte dies zumindest. In einer Zeit, in der die Regierungen Billionen von Dollar für Konflikte verschwenden, sind Investitionen in Menschen, die auf der Flucht waren, um so wichtiger.

In seinem jüngsten Jahresbericht über die Ausbildung von Flüchtlingen stellt das Flüchtlingsbüro der Vereinten Nationen (UNHCR) fest, dass Zehntausende von kindlichen, jugendlichen und erwachsenen Flüchtlingen durch besseren Zugang zu Ausbildung lebensverändernde Möglichkeiten erhalten haben. Der Anteil der Flüchtlinge, die in die Grundschule aufgenommen wurden, ist im letzten Jahr von 61% auf 63% gestiegen, und der Anteil jener, die eine weiterführende Schule besuchen, ist von 23% auf 24% gestiegen. Und am auffälligsten ist, dass der Anteil der Flüchtlinge mit höherer Ausbildung 3% erreicht hat, nachdem er für einige Jahre bei 1% stagnierte.

Durch höhere Ausbildung verwandeln sich Studenten in Führungspersönlichkeiten. Nutzt man die Kreativität, die Energie und den Idealismus junger Flüchtlinge, können sie zu Vorbildern werden. So erlangen sie die Mittel, ihre Stimme zu verstärken und innerhalb einer Generation schnelle Veränderungen zu bewirken.

Der geringe Anteil an Flüchtlingen mit weiterführender Ausbildung sollte uns aber Sorgen machen. Hier liegt der Wert mit 24% weltweit mehr als zwei Drittel unter demjenigen der Nicht-Flüchtlinge (84%). Dieser Mangel wird katastrophale Folgen haben. Ohne das Standbein der weiterführenden Schulen wird der Fortschritt des letzten Jahres nur kurzlebig sein. So wird die Zukunft von Millionen Flüchtlingen ungenutzt weggeworfen.

Subscribe now
ps subscription image no tote bag no discount

Subscribe now

Subscribe today and get unlimited access to OnPoint, the Big Picture, the PS archive of more than 14,000 commentaries, and our annual magazine, for less than $2 a week.

SUBSCRIBE

Nehmen wir einen südsudanesischen Jungen namens Gift, der jetzt in der Demokratischen Republik Kongo lebt. Er war so begierig, zur Schule zu gehen, dass er Französisch lernte und sein eigenes solarbetriebenes Licht entwickelte, um auch im Dunkeln lernen zu können. Seine Hoffnungen, in eine weiterführende Schule zu wechseln, werden wahrscheinlich enttäuscht, da es in seiner Gegend einfach keine solchen Schulen gibt.

Auch Hina schloss die Grundschule glänzend ab, nur um dann festzustellen, dass nur einer der 500 Plätze einer weiterführenden Schule in Peschawar für ein Flüchtlingskind wie sie verfügbar war. Und ich selbst habe eine ähnliche Situation in Bangladesch erlebt, wo viel zu viele Flüchtlingskinder keine Chance haben, staatliche Schulen zu besuchen und einem bewährten Lehrplan zu folgen.

Und als wäre es noch nicht schlimm genug, dass Flüchtlingskindern ein Weg zu höherer technischer oder beruflicher Ausbildung verwehrt wird: Dass keine weitergehende Schulbildung verfügbar ist, erhöht auch das Risiko, dass Kinder arbeiten müssen oder in die Kriminalität abrutschen. Und wenn Mädchen in die Schule gehen, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie früh zwangsverheiratet oder schwanger werden.

Gewährleistet die internationale Gemeinschaft keine allgemeine und inklusive weiterführende Schulbildung, wird sie auch die UN-Ziele der Nachhaltigen Entwicklung nicht erreichen: Zusätzlich zum ZNE 4 („inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Ausbildung zu sichern und lebenslange Lernmöglichkeiten für alle zu fördern“) werden auch die globalen Verpflichtungen zur Ausrottung der Armut, Bereitstellung angemessener Arbeit und Verringerung von Ungleichheit gefährdet.

Daher ist es entscheidend, dass Flüchtlingskinder in die staatlichen Ausbildungssysteme aufgenommen werden, wo sie anerkannte Abschlüsse machen können. Im Klassenzimmer können Flüchtlingskinder und junge Menschen in friedlicher Zusammenarbeit mit Leidensgenossen und einheimischen Kindern ihr Potenzial entwickeln. In einer Welt, in der Konflikte leichter erreichbar zu sein scheinen als Frieden, ist dies eine unschätzbare Lektion.

Die Investition in die Ausbildung von Flüchtlingen stellt eine gemeinsame Verantwortung mit weitreichendem kollektiven Nutzen dar. Daher müssen Regierungen, Unternehmen, Ausbildungsinstitute und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, um die Verfügbarkeit von Ausbildung auf allen Ebenen (insbesondere der weiterführenden) zu verbessern und zu gewährleisten, dass Flüchtlinge denselben Zugang dazu haben wie die Kinder des Gastlands.

Das Ziel des UNCHR laut unserer Strategie zur Ausbildung von Flüchtlingen 2030 besteht darin, dass Flüchtlinge bei der Vorschul-, Grundschul- und weiterführenden Schulausbildung mit ihren örtlichen Mitschülern gleichgestellt werden und ihre Teilnahme an höheren Ausbildungsgängen auf 15% gesteigert wird. Daher bin ich stolz, die formale Veröffentlichung unseres Programms für die weiterführende Ausbildung Jugendlicher ankündigen zu können – einer neuen Initiative zur Verbesserung der weiterführenden Ausbildung für Flüchtlinge. Nach Pilotprogrammen in Kenia, Ruanda, Uganda und Pakistan seit 2017 planen wir nun, die Initiative in den nächsten Jahren erheblich auszuweiten.

Der Schwerpunkt wird dabei sein, in Lehrer und Schulen zu investieren und kommunale Programme dabei zu unterstützen, den Schulbesuch zu fördern und Flüchtlingsfamilien finanziell zu unterstützen. Erleichtern wir die weiterführenden Schulbesuche, können wir so die Wahrscheinlichkeit verbessern, dass sowohl Flüchtlinge als auch ihre Gastgeber eine höhere Ausbildung anstreben. Können junge Flüchtlinge darauf vertrauen, dass eine vollständige Ausbildung möglich ist, werden sie motivierter sein, in die Schule zu gehen und dort auch zu bleiben. Und da sich das Programm sowohl an die Flüchtlinge als auch an ihre örtliche Gemeinschaft richtet, werden alle Kinder von diesen neuen Möglichkeiten profitieren.

Für das Globale Flüchtlingsforum des UNCHR im Dezember besteht meine Hoffnung darin, dass die Regierungen, der private Sektor und die Geldgeber diese Initiative gemeinsam unterstützen. Im Herzen des Globalen Flüchtlingspakts steht die Zusammenarbeit und ein Sinn für gemeinsame Verantwortung. Durch Ausbildung werden junge Flüchtlinge besser darauf vorbereitet, eine starke, nachhaltige und friedliche Welt aufzubauen. Es kann keine bessere Rendite geben als diese.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

https://prosyn.org/8PQepUnde;
  1. bildt70_SAUL LOEBAFP via Getty Images_trumpukrainezelensky Saul Loeb/AFP via Getty Images

    Impeachment and the Wider World

    Carl Bildt

    As with the proceedings against former US Presidents Richard Nixon and Bill Clinton, the impeachment inquiry into Donald Trump is ultimately a domestic political issue that will be decided in the US Congress. But, unlike those earlier cases, the Ukraine scandal threatens to jam up the entire machinery of US foreign policy.

    13