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Der Mythos solider Rahmendaten

NEW HAVEN – Die Reaktion war nur allzu vorhersehbar. Nun, da der US-Aktienmarkt nach der deutlichen Korrektur Anfang Februar wieder langsam steigt, ist das geistlose Mantra des großen Bullenmarktes zurück. Die jüngste Korrektur wird nun als flüchtige Anomalie – als Volatilitätsschock – innerhalb eines nach wie vor als sehr günstig betrachteten Investitionsklimas dargestellt. Schließlich seien die wirtschaftlichen Rahmendaten – nicht nur in den USA, sondern weltweit – so gut wie seit langer, langer Zeit nicht mehr.

Aber sind die Rahmendaten wirklich so solide? Für eine US-Volkswirtschaft mit einem rasiermesserdünnen Rücklagenpolster entspricht dies in keiner Weise den Tatsachen. Amerikas nationale Nettosparquote – die Summe der Ersparnisse der Unternehmen, der privaten Haushalte und des öffentlichen Sektors – betrug im dritten Quartal 2017 gerade mal 2,1% vom Volkseinkommen. Das ist nur ein Drittel des Durchschnittswertes von 6,3% der letzten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Es ist wichtig, Ersparnisse unter Nettoaspekten zu betrachten, also abzüglich der Wertminderungen für veraltete oder abgenutzte Kapazitäten, um einzuschätzen, wie viel die Volkswirtschaft zur Finanzierung der Ausweitung ihrer Produktionskapazitäten beiseitelegt. Die Nettoersparnisse stellen die heutigen Investitionen in die Zukunft dar, und Amerika spart so gut wie gar nichts.

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