buruma179_ChesnotGetty Images_zemmour Chesnot/Getty Images

Éric Zemmour und die Rache von Vichy

NEW YORK: Der französische Journalist, Fernsehpromi und mögliche Präsidentschaftskandidat Éric Zemmour hat derzeit großen Erfolg mit seinen extremen, reaktionären Ansichten. Zemmour hat nahegelegt, dass Muslime zwischen ihrer Religion und Frankreich wählen müssten, dass die Abschiebung muslimischer Einwanderer denkbar sei und dass nicht-französische Vornahmen verboten werden sollten. Er hasst „Kosmopoliten“ und ist der Ansicht, dass der Liberalismus das französische Familienleben zerstört.

Zemmour wurde bereits zweimal wegen Rassendiskriminierung und Anstiftung zum Hass verurteilt. Von seinem 2014 veröffentlichten Buch Le Suicide français wurden in Frankreich mehr als eine halbe Million Exemplare verkauft. Meinungsumfragen legen nahe, dass er bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr bis zu 16% der Stimmen erhalten könnte.

Zemmours Denkweise entstammt einer Tradition, die bis zur Französischen Revolution von 1789 zurückreicht. Katholische Konservative und rechte Intellektuelle, die die aus dieser Revolution hervorgegangene weltliche Republik hassen, donnern seit langem gegen Liberale, Kosmopoliten, Einwanderer und andere Gegner ihrer Vorstellung einer auf ethnischer Reinheit, dem Gehorsam gegenüber der Kirche und Familienwerten beruhenden Gesellschaft. Sie sind nahezu ausnahmslos Judenfeinde. Als der französische Armeehauptmann Alfred Dreyfus in dem berüchtigten Skandal der 1890er Jahre zu Unrecht des Landesverrats bezichtigt wurde, standen sie auf der Seite von Dreyfus’ Anklägern.

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