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Als der Internet-Boom pleite ging

Als der Internet-Boom noch anhielt, schien nichts die Luft aus dem Ballon ablassen zu können. Nur wenige der Internet- und Dotcom-Unternehmen waren tatsächlich profitabel, doch das schien die Investoren nie zu stören. Sie haben in der Anzahl der Kunden oder Abonnenten die Grundlage für die Bewertung der Internet-Aktien gesehen. Das Spiel hiess auf einmal „Kapitalzuwachs“, und nicht „Profite machen“. Selbst als modische Aktien fielen, hatte dies nur eine bemerkenswert geringe Auswirkung auf den Rest des Marktes. Man lernte, dass es sich auszahlt, die abgestürzten Aktien zu erwerben, und konnte sich diese Gewohnheit nicht abgewöhnen, bis es aufhörte, rentabel zu sein.

Nun, da das Internet-Fieber abgeflaut ist, hören wir, dass die „Grundlagen“ („Fundamentals“) sich mit Nachdruck behaupten. Doch diese Sicht der Dinge ist – wie auch die vorhergehende Meinung, der Boom würde für immer anhalten – nicht mehr als eine Halbwahrheit, da die Internet-Wirtschaft neue Grundlagen geschaffen hat. In der Tat stellt der Kreislauf des Internet-Booms und der Internet-Pleiten vorherrschende ökonomische Theorien über Finanzmärkte in Frage.

Was mittlerweile offensichtlich sein sollte ist, dass die so genannten Grundlagen, die angeblich die Aktienpreise bestimmen, nicht unabhängig gegeben sind. Sie sind vielmehr abhängig vom Verhalten der Finanzmärkte. Sie markieren in der Tat die unzählige Weisen, auf die sich die Aktienpreise auf das Schicksal von Unternehmen auswirken: Sie bestimmen die Kosten des Eigenkapitals; sie entscheiden darüber, ob ein Unternehmen übernommen wird oder ein anderes Unternehmen erwirbt; die Aktienpreise beeinflussen die Fähigkeit eines Unternehmens, Kredite aufzunehmen und Manager durch Aktien-Optionen anzulocken und zu entlohnen; Aktienpreise fungieren als Werbe- und Marketingmittel. In anderen Worten: Wenn Finanzmärkte davon überzeugt sind, dass es einem Unternehmen gut geht, verbessern sich auch seine „Grundlagen“. Wenn die Märkte allerdings ihre Meinung ändern, ändert sich das gegenwärtige Schicksal eines Unternehmens mit ihnen. Darüber hinaus haben Änderungen auf den Finanzmärkten ebenfalls weit reichende makro-ökonomische Konsequenzen.

Man musste kein Genie sein, um erkennen zu können, dass der Internet-Boom, der nicht auf Gewinnerwartungen basierte, sondern auf der Erwartung, der Öffentlichkeit Aktien zu immer höheren Preisen verkaufen zu können, auf einem nicht aufrecht zu erhaltenden Wirtschaftsmodell beruhte. Auch musste man kein Genie sein, um zu verstehen, dass dem Boom alsbald eine Pleite folgen würde; schwieriger war jedoch zu erraten, wann es zu dieser Pleite kommen würde. Im Sommer 1991 war ich davon überzeugt, dass der Internet-Zusammenbruch unmittelbar bevorstünde. Doch die Internet-Aktien haben sich von einem kurzfristigen Einbruch erholen können, einige stiegen sogar bald zu neuen Höhen empor. Einrichtungen, die mit der relativen Performance leben und sterben, sahen sich verpflichtet, ihren Besitz an Internet-Aktien aufzustocken. Als Yahoo in den S&P 500 Index aufgenommen wurde, stieg der Wert der Aktie in einem Tag um 30%. Leute wie ich, die Internet-Aktien in dem Glauben verkauft hatten, dass der Crash nicht mehr lange auf sich warten ließe, mussten dies mit riesigen Verlusten decken. Doch ich war weiterhin der festen Überzeugung, dass eine Pleite kommen musste. Nur konnte ich es mir nicht leisten, gemäß dieser Überzeugung zu handeln.