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Wie weiter in Afghanistan?

Es sieht nicht gut aus in Afghanistan. Die Taliban werden militärisch und politisch immer stärker, Präsident Karsai verliert wegen der grassierenden Korruption unter seiner Regierung und des offensichtlichen Wahlbetrugs weiter an Unterstützung in der Bevölkerung und internationalen Öffentlichkeit. US Präsident Obama tut sich schwer mit einer Entscheidung über die von seinen Militärs geforderte Truppenerhöhung. Die europäischen Nato-Mitglieder würden zudem ihre Soldaten lieber heute als morgen abziehen, und auch in den USA macht sich der Überdruss an dem Krieg in Afghanistan breit.

Der Westen scheint in dem Land am Hindukusch die Orientierung verloren zu haben – jenem „Friedhof der Imperien,“ wie es nach dem britischen Desaster im Januar 1842 genannt wurde, bei dem von über 16 000 Mann nur ein einziger überlebt hatte. Wofür kämpft die Nato eigentlich am Hindukusch?

Europa schweigt zu dieser Frage und möchte nur noch eines, nämlich raus. In den USA findet diese Debatte immerhin noch statt. Folgt man ihr, so muss man zu der Auffassung gelangen, dass es letztendlich um einen militärischen Sieg der Supermacht über die Taliban geht, damit Amerika dann endlich abziehen kann. Ein zweites Mal.

Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, worum es in Afghanistan tatsächlich geht, wird man die Antwort nicht allein und vor allem in dem Land selbst finden. Afghanistan ist das Schlachtfeld, aber die Ursachen für die Kriege und Bürgerkriege, die seit Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts dieses Land verheeren, lagen und liegen jenseits seiner Grenzen. Es wird also keine alleinige „afghanische Lösung“ geben können.