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Ein Marshall-Plan für die Vereinigten Staaten

NEW YORK – Als im letzten Monat in Kalifornien eine große Autobahnbrücke zusammenbrach, haben die Folgen für den gesamten Südwesten der Vereinigten Staaten erneut die Aufmerksamkeit auf das ernste Infrastrukturproblem des Landes gelenkt. Tatsächlich fällt die größte Volkswirtschaft der Welt in gewissem Sinne auseinander.

Ideologische Abneigung gegen Investitionen in den öffentlichen Sektor und endemisches Kurzfristdenken der Haushaltsplaner haben dazu geführt, dass die Ausgaben für Straßen, Flughäfen, Eisenbahnen, Telekommunikationsnetzwerke und Stromerzeugung weit geringer sind als nötig. Aber das Problem kann nicht länger ignoriert werden. Wenn die USA nicht schnell handeln und ihre zarte wirtschaftliche Erholung auf die sichere Grundlage einer modernen Infrastruktur stellen, könnten sie bald wieder in die Stagnation zurückfallen.

Dass eine hoch entwickelte Volkswirtschaft angemessene und dauerhafte Investitionen in öffentliche Güter benötigt, scheint offensichtlich zu sein. Aber der Zustand der Infrastruktur in den USA lässt darauf schließen, dass diese Ansicht von vielen Entscheidungsträgern nicht geteilt wird. In einem Bericht der American Society of Civil Engineers von 2015 wurde die allgemeine Infrastruktur der USA mit der erbärmlichen Note D+ bewertet. Der Bericht führt auf der Ebene der Bundesstaaten zahllose Mängel auf, darunter Michigans „88 hochgefährliche Staudämme und 1.298 strukturell mangelhafte Brücken“ und die „44,5 Milliarden Dollar, die zur Sanierung der Trinkwassersysteme“ in Kalifornien benötigt werden.

Die Verfasser kommen zu dem Ergebnis, dass bis 2020 Investitionen in Höhe von 3,6 Billionen Dollar (etwa ein Fünftel des jährlichen BIP des Landes) nötig sind, um durch die Beseitigung des „erheblichen Wartungsstaus [sowie des] dringenden Modernisierungsbedarfs“ die Qualität der US-Infrastruktur zu verbessern. Andernfalls wird sich die zerbröckelnde Infrastruktur des Landes negativ auf das Wirtschaftswachstum der kommenden Jahre auswirken.