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IWF und Weltbank: zweimal falsch ergibt kein richtig

Man muss schon bis ins 3-Päpste-Jahr 1978 zurückgehen, um ein Nachfolgedrama zu finden, das so seltsam ist wie das, was sich in letzter Zeit bei den beiden Säulen des globalen Finanzsystems, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, abspielt. Vor zwei Monaten trat Weltbankchef Paul Wolfowitz inmitten einer außergewöhnlichen Meuterei seiner Mitarbeiter und einem Führungsdebakel zurück. Nun hat sein Gegenstück beim Internationalen Währungsfonds, der ehemalige spanische Finanzminister Rodrigo Rato, die bedeutenden Stakeholder mit der Ankündigung schockiert, auch er werde im Oktober gehen.

Den Chef eines internationalen Kreditinstituts zu verlieren, könnte man noch als Missgeschick durchgehen lassen; beide zu verlieren, sieht doch schon sehr nach Unachtsamkeit aus (meine Entschuldigung an Oscar Wilde). Und während sich die asiatische Finanzkrise – der Schmelzkessel, aus dem unsere heutigen ultraliquiden Kapitalmärkte hervorgingen – zum zehnten Mal jährt, machen überall Verschwörungstheorien die Runde.

Ehrlich gesagt: Wenn man sich an das hält, was aktenkundig ist, so erscheinen die beiden Rücktritte wie Tag und Nacht. Als Wolfowitz nach blutigem Kampf endlich aus dem Amt gedrängt war, waren die Mitarbeiter der Bank außer sich vor Freude. Dagegen scheinen die meisten Mitarbeiter des IWF aufrichtig deprimiert über Ratos Abgang.

Vor seiner Zeit bei der Bank konnte Wolfowitz für sich in Anspruch nehmen, der Architekt des Irakkrieges gewesen zu sein, einem der wohl größten strategischen Debakel seit dem Einmarsch Napoleons in Russland. Rato andererseits war Spaniens Finanzminister während der wirtschaftlich erfolgreichsten Ära des Landes seit dem 16. Jahrhundert.