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Die Türkei im Wandel

Abdullah Güls Wahl zum 11. Präsidenten der Türkei markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Landes.

Im Juli errang die regierende – religiös-konservative, jedoch wirtschaftsliberale - Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) einen Erdrutschsieg bei den Parlamentswahlen, die ausgerufen wurden, nachdem das Militär Gül als Präsident verhindern wollte. Dieser Sieg bei den Parlamentswahlen sowie Güls Wahl zum Präsidenten bestätigen, dass sich die AKP als Partei der Neuausrichtung etabliert hat und dass die Türken trotz eines zunehmenden fremdenfeindlichen Nationalismus die Integration in die Europäische Union wollen.

Im letzten April drohte aufgrund Güls Kandidatur ein Staatsstreich des Militärs, wodurch die Parlamentswahlen vorgezogen wurden. Die Wähler stellten klar, dass sie keine weitere Einmischung des Militärs in die Innenpolitik wünschen, denn sie erteilten den Warnungen der Generäle, wonach die AKP das Land in die Finsternis einer theokratischen Herrschaft führen würde, eine Absage.

Die heftigen Debatten rund um die Präsidentschaft unterstrichen die symbolische Bedeutung des Amtes im innenpolitischen Machtgleichgewicht der Türkei. Das Kopftuch, welches Güls Ehefrau aus religiösen Gründen trägt, wurde als Angriff auf das in der Türkei sakrosankte Prinzip des Säkularismus gesehen. Tatsächlich weigerte sich der scheidende Präsident Ahmet Necdet Sezer, Ehefrauen von AKP-Abgeordneten, die ihr Haar mit einem Kopftuch bedeckten, zu Staatsdiners und Empfängen anlässlich des Tages der Republik einzuladen.