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Die Weltmeisterschaft und afrikanische Frauen

NAIROBI – Als ich vor 25 Jahren geboren wurde, hätte man afrikanische Frauen nur selten über Fußball reden hören – es galt damals sogar als Tabu. Heutzutage ist es das, was meine Freundinnen und ich tun.

Ich bin in Kenia aufgewachsen, wo meine Landsleute, vielleicht aufgrund unserer kolonialen Verbindung zu England, eifrig die Spiele der englischen Premier League verfolgen. Kenianer sind der Premier League so leidenschaftlich verbunden, dass sich der Arsenal-Fan Suleiman Omondi vergangenes Jahr erhängte, nachdem sein Team gegen Manchester United verloren hatte. Dieses Jahr stieß ein anderer Arsenal-Fan aus dem Küstenort Lamu einem Manchester United-Fan ein Messer in den Bauch.

Auch kenianische Frauen lieben Fußball. Ich bin, wie die meisten meiner Freundinnen, Chelsea-Fan. Wir sind nur selten uneins. Wir trösten uns gegenseitig, wenn Chelsea verliert und sind gemeinsam beunruhigt, wenn unsere Mannschaft gegen große Clubs antritt, wie neulich gegen Liverpool, dem einzigen großen Rivalen, der zwischen Chelsea und dem englischen Titel stand. Zum Glück hat Chelsea gewonnen.

Mit Beginn des Viertelfinales und den näher rückenden Spielen im Halbfinale der Weltmeisterschaft haben meine Freundinnen dann doch angefangen zu streiten. Anders als bei Männern kommt es bei uns zwar nicht zum Schlagabtausch, in Sachen Leidenschaft stehen wir ihnen allerdings in nichts nach, insbesondere, weil das berühmteste Fußballturnier der Welt auf unserem Kontinent ausgetragen wird. Manchmal kommt es uns so vor, als würden wir mehr Zeit damit verbringen über Fußball zu streiten als uns über Männer zu unterhalten.