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Das globale Finanzsystem – ein schlafender Vulkan

Alles deutet darauf hin, dass die Ablehnung der Europäischen Verfassung in Frankreich und in den Niederlanden eher eine Absage an die unkontrollierte Globalisierung als eine Abfuhr für Europa war. Die allgemeine Instabilität des sozialen Klimas  - vor allem, aber nicht nur im Bereich Beschäftigung – wird für einen wachsenden Teil der Bevölkerung in vielen Industrieländern, nicht nur in Europa, langsam unerträglich. Zumindest in demokratischen Ländern kann es keine stabile Wirtschaftsordnung geben, wenn die Wähler deren Grundlagen ablehnen. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Kapitalismus wieder Fuß fassen, weil dies von drei Arten notwendiger Regulierungen unterstützt wurde. Dazu gehörten soziale Sicherheit, die zumindest in den Industrieländern als wichtigster Stabilisator diente sowie keynesianische Instrumente zur Abwehr nationaler zyklischer Wirtschaftsabschwünge und eine generelle Hochlohnpolitik, die darauf abzielte, den Gesamtverbrauch anzukurbeln, ohne den das Herzstück des Kapitalismus – die Massenproduktion – nicht funktioniert.

Das alles nahm allerdings mit der um 1970 einsetzenden Neuausrichtung der reichen Industrieländer auf die von Ökonomen wie Milton Friedman propagierte monetaristische Politik ein Ende. Nicht lange danach wurde der Dollar vom Goldstandard abgekoppelt. Seit damals leidet das internationale Finanzsystem unter beinahe ständiger Instabilität. Die Krisen haben sich vervielfacht und es hat den Anschein, als ob jede Krise noch schlimmer wäre als die vorangegangene. 

Die Armut hält unübersehbar wieder Einzug in die reiche Welt. Nationale und internationale Ungleichheiten verstärken sich mit rasender Geschwindigkeit. Die Beschäftigungslage wird zunehmend prekär.  Und dort, wo man der Arbeitslosigkeit gegenüber allgemeiner Jobunsicherheit den Vorzug gibt, wird es unmöglich, sie zu beseitigen.