Die relative Unwichtigkeit der globalen Erwärmung

Die globale Erwärmung hat sich zum vordringlichsten Thema unserer Tage entwickelt. Viele Regierungsvertreter und die meisten Aktivisten, die an der bis zum 9. Dezember in Montreal stattfindenden Klimakonferenz teilnehmen, wollen uns weismachen, dass die Erderwärmung unsere oberste Priorität sein sollte. Die Ausarbeitung eines Nachfolgevertrags zum Kyoto-Protokoll, so wird argumentiert, erfordert eine noch stärkere Eindämmung der Luftverschmutzung, die zur globalen Erwärmung führt.

Im Hinblick auf die Prioritätensetzung liegen sie falsch und empfohlen werden unwirksame Gegenmaßnahmen. Diese Vorgangsweise droht uns die Sicht auf die als erstes zu lösenden, wichtigsten Probleme der Welt zu verstellen und überdies wir laufen Gefahr, die Chancen zur Ausarbeitung des besten langfristigen Ansatzes bei der globalen Erwärmung zu verpassen.

Die globale Erwärmung ist selbstverständlich ein Faktum und sie wird durch CO2 verursacht. Das Problem besteht darin, dass die besten heute zur Verfügung stehenden Klimamodelle zeigen, dass unmittelbare Maßnahmen wenig bewirken werden. Mit dem Kyoto-Protokoll werden die CO2-Emissionen der Industrieländer um 30 % unter jenen Wert gesenkt, den wir 2010 erreicht hätten und um 50 % unter den für 2050 prognostizierten Wert. Aber selbst wenn sich alle Länder (auch die Vereinigten Staaten) an die Spielregeln des Protokolls halten und sie über das gesamte Jahrhundert weiter befolgen würden, wären die Auswirkungen fast nicht messbar, denn mit diesen Maßnahmen wird die für 2100 erwartete Erwärmung lediglich um sechs Jahre aufgeschoben.

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