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Die Notwendigkeit der NATO

BRÜSSEL – Vor vielen Jahren nahm ich meine Kinder mit zu einem Besuch der Orte, an denen die Alliierten 1944 in der Normandie landeten. Ich wollte ihnen die Opfer nahebringen, die andere auf sich genommen hatten, um Europa und Nordamerika zu Leben, Freiheit und Glück zu führen. Wir sahen die Strände, deren Namen in der Geschichte berühmt wurden – Omaha, Utah, Juno. Diese Strände sind immer noch ein Denkmal für die Überzeugung, dass wir gemeinsam jede Bedrohung abwenden können, wie groß sie auch sein mag.

Wir können uns die Zukunft vorstellen, die nicht nur Europa, sondern die ganze Welt erwartet hätte, wenn Nordamerika Europa in der Stunde der Not nicht geholfen hätte. Und wir wissen, dass diese Landung ein einmaliges Bündnis zwischen unseren Kontinenten geschaffen hat.

Für die Bewahrung unserer Werte und unserer Sicherheit ist dieses Bündnis weiterhin von entscheidender Wichtigkeit. Nach den Kalten Krieg nahmen noch viele an, seine institutionelle Verkörperung – der Nordatlantikpakt – würde sich auflösen. Dies ist nicht passiert, denn unsere Verbindung beruht nicht nur auf gemeinsamen Bedrohungen, sondern auch auf gemeinsamen Idealen. Der Bund könnte sich nur dann auflösen, wenn sich unser Bedürfnis nach Freiheit auflösen würde. Die NATO benötigt für ihre Existenz keine externen Gründe. Aber ungeachtet dessen ließen solche nicht lange auf sich warten.

In Bosnien und im Kosovo intervenierte die NATO, um massive Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. In Libyen setzten wir eine Resolution des UN-Sicherheitsrats durch, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Und in Afghanistan verweigern wir Extremisten einen Rückzugsort.