Der letzte Interventionist

Wenn Tony Blair in diesem Monat endlich das Amt des Premierministers abgibt, nachdem er seinen Rücktritt nahezu töricht lang hinausgezögert hat, wird nicht nur die britische Öffentlichkeit insgesamt erleichtert sein, sondern auch die überwiegende Mehrheit seiner eigenen Parteimitglieder. Nach drei Amtszeiten könnte es kaum anders sein. Ungeachtet des Klischees korrumpiert Macht tatsächlich, und die späte Ära Blair bot, wie auch die Margaret Thatchers davor, keinen schönen Anblick.

Das Paradox ist, dass bei einem Mann, der so lange so viel Macht ausgeübt hat, unklar ist, was für ein innenpolitisches Erbe Blair hinterlassen wird, wenn überhaupt. Der Blairismus war eine Laune, ein Stil, aber im Wesentlichen hat er keinen radikalen Bruch mit dem Vermächtnis Thatchers dargestellt, das New Labour so clever neu verpackt und, das muss man gerechterweise zugeben, menschlicher verwaltet hat, als es die Eiserne Lady je getan hatte.

Die Außenpolitik steht auf einem anderen Blatt. Egal, was man von ihm hält, in internationalen Angelegenheiten war Blair ein konsequenter Politiker. In der Tat kann man ihn glaubhaft als den Hauptverantwortlichen dafür ansehen, die Doktrin der „humanitären Intervention“ formuliert und erfolgreich propagiert zu haben. Diese Idee hat im Laufe der 90er Jahre die Vorstellungskraft eines Großteils der Elite aus den Industrieländern für sich eingenommen und eine moralische Begründung für die größten westlichen Militärinterventionen nach dem Kalten Krieg geliefert, von Bosnien bis zum Irak.

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