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Der Spieler aus Nordkorea

SEOUL – Nach eingehenden Untersuchungen wirft Südkorea nun Nordkorea vor, für den Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffs Cheonan am 26. März verantwortlich zu sein. Die Debatte über mögliche Reaktionen wird noch durch die Tatsache verschärft, dass der Untergang der Cheonan offenbar kein singuläres Ereignis war, sondern Teil einer generellen Verhaltensänderung Nordkoreas ist.  Tatsächlich verhält sich Nordkorea seit der Erkrankung Kims (vermutlich ein Schlaganfall) im August 2008 zunehmend unverfroren und impulsiv.  

In der Vergangenheit neigte die nordkoreanische Führungsspitze doch dazu, Kosten und Nutzen sorgfältig abzuwägen, wenn man Druck auf die Außenwelt ausüben wollte. Außerdem war man eher darauf bedacht, immer nur eine „Drohungskarte“ auf einmal auszuspielen. Aber seit April und Mai 2009 verzichtet man auf diplomatisches Fingerspitzengefühl. So wurden eine Langstreckenrakete (und verschiedene andere Raketen) gezündet sowie ein zweiter Atomtest durchgeführt – und das alles innerhalb weniger Wochen.

Als die internationale Gemeinschaft darauf mit der Verabschiedung von Resolution 1874 des UN-Sicherheitsrates reagierte, schwenkte Nordkorea rasch auf eine Charmeoffensive gegenüber den Vereinigten Staaten und Südkorea um. Die Behörden ließen zwei amerikanische Journalisten und einen südkoreanischen Arbeiter frei, den man im August 2009 aufgrund des Vorwurfs, nordkoreanisches Recht verletzt zu haben, verhaftet hatte.  

Aber als das nordkoreanische Regime erkannte, dass man mit dieser Diplomatie des Lächelns nicht so weit kam, wie man wollte, schalteten die Machthaber wieder auf Feindseligkeit um. Nun konfiszierte man südkoreanische Immobilien in der Touristenzone im Kumgang-Gebirge und attackierte die Cheonan – der wohl gravierendste Vorfall in diesem Zusammenhang. Das Regime entsandte sogar zwei Spione, um Hwang Jang-yop zu töten, den höchstrangigen nordkoreanischen Funktionär, der jemals nach Südkorea geflohen ist.