Duisenbergs Vermächtnis

Der erste Präsident der Europäischen Zentralbank (ECB), Wim Duisenberg, scheidet mit erhobenem Haupt aus seinem Amt. Unter seiner Führung ist Europas erste Zentralbank ,,erwachsen geworden" und ist in kaum mehr als fünf Jahren den Kinderschuhen entwachsen und zu Würden gelangt. Der Euro wurde als Währung von Weltklasse fest etabliert. Die Inflation in der Wirtschaft der Eurozone schwankt um die 2 % und entspricht damit mehr oder weniger der Definition von Preisstabilität, welche die ECB bevorzugt. Die Inflationserwartungen sind stabil und der Zentralbankrat arbeitet ruhig.

Nicht jeder in Europa ist mit einer anti-inflationär arbeitenden Zentralbank einverstanden. Kritiker, die sich eine eher aktive, an Wachstum orientierte Finanzpolitik wünschen, haben versucht - allerdings ohne Erfolg - den 68 Jahre alten Holländer durch persönliche Angriffe und entwürdigende Beleidigungen weich zu klopfen. Aber Vorstand und Zentralbankrat der ECB haben es abgelehnt, sich den Beleidigungen zu beugen oder dem starken politischen Druck, die Zinssätze wieder und wieder und immer weiter zu senken. Die erst flügge gewordene Bank erwarb sich enorme Glaubwürdigkeit, aber auch erhebliche Feindschaft, indem sie an ihrem anti-inflationären Auftrag festhielt.

Natürlich hat die ECB ihre Probleme - hauptsächlich mit ihrer Kommunikation; auch bereitete Duisenbergs Offenheit ihm manchmal Schwierigkeiten. Doch sind das Kleinigkeiten, die von Kritikern mit eigenen Vorstellungen über die Arbeitsweise der Bank, gewaltig verzerrt werden. Was die Anfangsprobleme der ersten Jahre auch immer gewesen sein mögen - zu viele Stimmen, eine zu geringe Klarheit der Vorgaben - sie wurden im Laufe der Zeit ausgebügelt.

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