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Die schmutzigen Geheimnisse der Kernkraft

SINGAPUR: Japans Nuklearkrise ist ein Albtraum, aber eine Anomalie ist sie nicht. Tatsächlich ist sie nur der letzte in einer langen Reihe von Nuklearunfällen, bei denen es zu Kernschmelzen, Explosionen, Bränden und Kühlmittelverlusten kam – Unfällen, die sich sowohl während des Normalbetriebs als auch in Notfallsituationen wie etwa Dürren und Erdbeben ereigneten.

Die nukleare Sicherheit verlangt Klarheit über die verwendeten Begriffe. Die Nuclear Regulatory Commission in den USA ordnet ungeplante nukleare „Ereignisse“ im Allgemeinen in zwei Klassen ein, „Vorfälle“ (incidents) und „Unfälle“ (accidents). Vorfälle sind unvorhergesehene Ereignisse und technische Ausfälle, die sich während des normalen Kraftwerkbetriebs ereignen und nicht zur Freisetzung von Radioaktivität außerhalb des Werks oder zu schweren Schäden an den Anlagen führen. Unfälle verweisen entweder auf die Freisetzung von Radioaktivität außerhalb des Werks oder auf schwere Schäden an Werksanlagen.

Die Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse verwendet ein siebenstufiges System, um die Bedeutung nuklearer und radiologischer Ereignisse zu bewerten: Stufen 1-3 bezeichnen „Vorfälle“ und Stufen 4-7 „Unfälle“. Ein „schwerer Unfall der Stufe 7“ besteht aus „einer bedeutenden Freisetzung radioaktiven Materials mit weit verbreiteten Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt, der die Umsetzung geplanter und weit reichender Gegenmaßnahmen erfordert“.

Gemäß diesen Klassifikationen ist die Anzahl der Nuklearunfälle – selbst wenn man die Kernschmelzen in Fukushima Daiichi und Fukushima Daini mit einrechnet – gering. Aber wenn man den Begriff „Unfall“ umdefiniert, sodass er alle Vorfälle, bei denen es entweder zu Todesfällen oder zu Sachschäden von mehr als 50.000 Dollar kam, umfasst, ergibt sich ein deutlich anderes Bild.