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Gefangene des Amerikanischen Traums

CAMBRIDGE – Angesichts der sich verschlimmernden wirtschaftlichen Ungleichheit in den USA könnte man annehmen, dass die Amerikaner die Einkommensunterschiede durch Einrichtung eines progressiveren Steuersystems verringern würden wollen. Diese Annahme wäre falsch, denn im Dezember verabschiedete der US-Kongress ein umfassendes Steuergesetz, von dem zumindest kurzfristig die einkommensstarken Haushalte überproportional profitieren werden.

Trotz steigender Einkommensunterschiede im Lande ist die Unterstützung der Amerikaner für Umverteilungsmaßnahmen laut dem General Social Survey seit Jahrzehnten unverändert geblieben. Vielleicht stimmt der angeblich von John Steinbeck stammende Ausspruch, dass der „Sozialismus in Amerika nie Wurzeln geschlagen [habe], weil die Armen sich nicht als ausgenutztes Proletariat sehen, sondern als vorübergehend in Verlegenheit befindliche Millionäre.“

Für jemanden, der glaubt, dass eine Gesellschaft ihren Mitgliedern Chancengleichheit bieten sollte und dass jeder, der hart arbeitet, auf der sozioökonomischen Leiter nach oben klettern kann, ist Umverteilung unnötig und unfair. Schließlich ist, so die Anhänger dieser Denkweise, wenn alle vom selben Ausgangspunkt aus starten, Misserfolg zwangsläufig durch Fehltritte der betreffenden Person bedingt.

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