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Parallelen zu 1937

NEW HAVEN – Die Depression, die auf den Börsenkrach von 1929 folgte, verschlimmerte sich acht Jahre später, und eine Erholung brachten erst die enormen wirtschaftlichen Impulse, die vom Zweiten Weltkrieg ausgingen – einem Konflikt, der mehr als 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Als die wirtschaftliche Erholung endlich kam, lagen weite Teile Europas und Asien in Trümmern.

Die derzeitige Situation weltweit ist nicht annähernd so düster, doch Parallelen gibt es, insbesondere zum Jahr 1937. Wie damals wurden – und werden – auch diesmal viele Menschen über einen langen Zeitraum enttäuscht, und viele sind am Verzweifeln. Ihre Angst in Bezug auf ihre langfristige wirtschaftliche Zukunft wächst. Und derartige Ängste können schwerwiegende Folgen haben.

So könnten die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Volkswirtschaften der Ukraine und Russlands letztlich dem aktuellen Krieg dort zugrundeliegen. Laut Internationalem Währungsfonds erlebten sowohl die Ukraine als auch Russland zwischen 2002 und 2007 ein spektakuläres Wachstum: Das reale BIP pro Kopf stieg während dieser Zeit in derUkraine um 52% und in Russland um 46%. Dies ist nun Geschichte: Im letzten Jahr lag das reale BIP pro Kopf in der Ukraine bei lediglich 0,2% und in Russland bei nur 1,3%. Die durch eine derartige Enttäuschung erzeugte Unzufriedenheit könnte zur Erklärung der Wut der ukrainischen Separatisten, der Unzufriedenheit der Russen und der Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Annexion der Krim und zur Unterstützung der Separatisten beigetragen haben.

Die Verzweiflung, die seit der Finanzkrise die Unzufriedenheit antreibt – und das nicht nur in Russland und der Ukraine – hat einen Namen: die „neue Normalität“, ein von Bill Gross, dem Gründer des Anleihe-Giganten PIMCO, bekannt gemachter Begriff, der auf die verschlechterten langfristigen Aussichten beim Wirtschaftswachstum verweist.