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Die wirklichen Rohstoffe des Wohlstands

TIRANA – Arme Länder exportieren Rohstoffe wie Kakao, Eisenerz und Rohdiamanten. Reiche Länder exportieren – häufig in genau diese armen Länder – komplexere Produkte wie Schokolade, Autos und Juwelen. Wenn arme Länder reich werden wollen, sollten sie aufhören, ihre Ressourcen als Rohstoffe zu exportieren, und sich darauf konzentrieren, ihnen einen Mehrwert hinzuzufügen. Andernfalls schöpfen die reichen Länder den Löwenanteil des Wertes und alle guten Arbeitsplätze ab.

Arme Länder könnten dem Beispiel von Südafrika und Botsuana folgen und ihren natürlichen Reichtum dazu nutzen, die Industrialisierung voranzutreiben, indem sie den Export von Mineralien in Rohform einschränken (eine Politik, die lokal als „Aufbereitung“ bekannt ist). Doch sollten sie das tun?

Einige Ideen sind nicht nur verkehrt, sondern geradezu schlecht: Sie sind einengend, da sie in ihrer Interpretation der Welt zweitrangige Aspekte hervorheben – zum Beispiel die Verfügbarkeit von Rohstoffen – und die Gesellschaft blind für vielversprechendere Möglichkeiten machen, die sich eventuell anderswo bieten.

Nehmen wir Finnland, ein nordisches Land, das für seine geringe Einwohnerzahl viel Wald aufweist. Ein klassischer Ökonom würde argumentieren, dass das Land angesichts dieser Tatsache Holz exportieren sollte, was Finnland getan hat. Ein traditioneller Entwicklungsökonom würde dagegen argumentieren, es sollte kein Holz exportieren, sondern stattdessen daraus einen Mehrwert schöpfen, indem es das Holz zu Papier oder Möbeln verarbeitet – auch das macht Finnland. Dennoch stellen sämtliche Holzprodukte lediglich 20 % der finnischen Exporte dar.