Workers taking down the statue of Vladimir Lenin in Mongolia AFP/Getty Images

Die Macht der Monumente

NEW YORK – Das grauenhafte Spektakel des Aufmarsches Fackeln tragender Neonazis, die Slogans von der Überlegenheit der weißen Rasse brüllten, in Charlottesville, Virginia, wurde durch den Plan der Stadt ausgelöst, eine Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee zu entfernen. Lee war der Oberbefehlshaber der Konföderierten-Armee, die während des Amerikanischen Bürgerkrieges für die Beibehaltung der Sklaverei im sezessionistischen Süden kämpfte. Die Statue von Lee auf seinem Pferd steht dort seit 1924, einer Zeit, in der Lynchmorde an schwarzen Bürgern keine Seltenheit waren.

Inspiriert von den Ereignissen in Charlottesville sind nun in Großbritannien Stimmen laut geworden, die danach streben, Admiral Nelson von seiner berühmten Säule auf dem Trafalgar Square in London herunterzuholen, weil der britische Seeheld den Sklavenhandel befürwortete. Und vor zwei Jahren verlangten Demonstranten an der Universität Oxford die Beseitigung einer Cecil-Rhodes-Statue aus dem Oriel College, wo der alte Imperialist einst studierte, weil seine Ansichten in Bezug auf Rasse und Empire heute als abstoßend betrachtet werden.

Diese Art von Bilderstürmerei hatte schon immer etwas Magisches an sich, das auf der Vorstellung gründet, dass die Zerstörung eines Bildes die damit verbundenen Probleme irgendwie beseitigen wird. Als englische Protestanten im 16. Jahrhundert die Macht der Römisch-Katholischen Kirche herausforderten, zerstörten Menschenmobs Steinstatuen von Heiligen und andere heilige Bilder mit Spitzhacken und Äxten. Die Revolutionäre des 18. Jahrhunderts machten dasselbe mit den Kirchen in Frankreich. Das radikalste Beispiel ereignete sich in China vor nur gut 50 Jahren, als die Roten Garden buddhistische Tempel zerstörten und konfuzianische Bücher – oder tatsächlich alles, was alt und traditionsbehaftet war – verbrannten, um die Kulturrevolution zu verkünden.

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