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Armut kontra Wachstum

Die unter Regierungen, Wirtschaftswissenschaftlern und NGOs (Nicht-staatlichen Organisationen) geführte Debatte, inwieweit Wirtschaftswachstum für die Armen der Welt von Nutzen sei, scheint ewig zu währen. Im vergangenen Jahr hat die Zeitschrift The Economist die These aufgestellt, dass „Wachstum den Armen wirklich helfen” könne: „Tatsächlich steigert es ihr Einkommen etwa im gleichen Maß wie das Einkommen aller anderen Menschen.” Dagegen stellte Justin Forsyth aus Oxford in einem Brief, der kurz darauf von derselben Zeitschrift veröffentlicht wurde, die Behauptung auf, dass „die gegenwärtigen Muster von Wachstum und Globalisierung die Einkommensunterschiede noch weiter vertiefen und folglich wie eine Bremse bei der Reduzierung von Armut wirken.”

Sind diese Haltungen miteinander unvereinbar? Nicht unbedingt, denn in dieser Debatte reden beide Seiten in vielerlei Hinsicht von verschiedenen Dingen. Die einen sprechen unter Umständen über absolute Armut, die anderen über relative Armut. Darüber hinaus verschleiern Erkenntnisse aus statistischen Durchschnittswerten weit reichende Unterschiede: In einigen Ländern können die Armen tatsächlich vom Wirtschaftswachstum profitieren, in anderen wiederum sind sie womöglich derart benachteiligt, dass sie keinerlei Vorteile daraus ziehen können. Kurz gesagt, in beiden Ansichten steckt etwas Wahres. Trotzdem ist das Gesamtbild weit komplizierter als in diesen Standpunkten geschildert.

Neue Daten aus den 90er Jahren bestätigen zuvor durchgeführte Untersuchungen, wonach es wenige oder gar keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und der Zunahme von Einkommensunterschieden gibt, wie sie aus nationalen Haushaltserhebungen hervorgehen. Diese Erkenntnis ist wichtig. Denn wenn der Anteil des nationalen Einkommens, der den Armen zukommt, nicht mit dem Wirtschaftswachstum steht oder fällt, können die Armen absolut betrachtet natürlich Gewinne verzeichnen; dementsprechend reduziert das Wachstum die Armut, und Kürzungen gehen mit einer Zunahme der Armut einher.

Überdies legen die verfügbaren Daten die Folgerung nahe, dass die Durchschnittsrate der Reduktion der Armut umso mehr steigt, je höher die Wachstumsrate liegt. Dies ist die Art von Beweisführung, der die Zeitschrift The Economist Vorschub geleistet hat.