Iraq school mfniraq/Flickr

Bildung in Notsituationen

NEW YORK – Vor einiger Zeit traf ich in dem riesigen jordanischen Flüchtlingslager Zaatari ein kleines Mädchen. Wie zehntausende andere Kinder dort flüchtete auch sie mit ihrer Familie vor dem sich ständig weiter verschärfenden Konflikt in Syrien. Ich lernte sie zunächst in einem improvisierten Klassenzimmer inmitten eines Meeres aus Zelten kennen. Als ich sie später wiedersah, spielte sie mit anderen Kindern auf einem maroden Spielplatz.

Ich fragte sie, wo sie sich lieber aufhält: beim Unterricht im Klassenzimmer oder mit ihren Freunden auf dem Spielplatz. Ich weiß, wie meine Antwort ausgefallen wäre, als ich in ihrem Alter war. Das Mädchen allerdings entschied sich für das Klassenzimmer – und ihre Antwort spricht Bände. Von all den Dingen, die sie in Syrien zurücklassen musste war der Schulbesuch das einzige, worauf sie nicht verzichten konnte – wenn sie jemals ihren Traum von der Ausbildung zur Ärztin verwirklichen und eine von Entbehrung, Gewalt und Verlust diktierte Zukunft vermeiden wollte.  

Diesen Bildungshunger habe ich bei vielen Kindern bemerkt, die von der Krise in Syrien und anderen Notsituationen auf der ganzen Welt betroffen sind. Diese Kinder wollen unbedingt die Schule besuchen. Und ebenso so sehr möchten ihre Familien, dass sie eine Ausbildung bekommen.

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