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Man muss Trump in Bezug auf die NATO ernst nehmen

WARSCHAU – Eine Präsidentschaft Donald Trumps wäre eine Katastrophe für die NATO und den Westen. Abgesehen davon, dass er mit Rückzug der USA aus dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) und einem Handelskrieg mit China droht, lobt Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin und schlägt vor, dass Amerika seine Verpflichtung zum Schutz seiner NATO-Verbündeten nicht einhalten solle, sofern diese nicht mehr für diesen Schutz bezahlen.

Obwohl Trumps Chancen mit jedem neuen Tag weiter schwinden, sollte die Europäische Union seine Kandidatur was ihre eigene Verteidigung angeht als Weckruf betrachten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU ist geringfügig höher als das Amerikas, doch trägt sie nur 25% zum NATO-Verteidigungshaushalt bei, während 72% auf die USA entfallen. Den Rest steuern Kanada und die Türkei bei.

Falls Russland einen konventionellen Einmarsch auf NATO-Gebiet versuchte und besiegt würde, könnte es einen nuklearen Erstschlag in Europa in Betracht ziehen. Schließlich hat Russland anders als die Sowjetunion den offensiven Einsatz von Nuklearwaffen nicht ausgeschlossen. In einem derartigen Szenario wäre Amerikas nuklearer Schirm Europas einzig glaubwürdiger Schutz. Doch wenn die USA Vergeltung für einen russischen Nuklearschlag übten, würden sie einen russischen Gegenschlag gegen ihre eigenen Territorien oder Streitkräfte riskieren. Das ist die düstere Logik der wechselseitig gesicherten Vernichtung.

Warum sollten die USA so viel für einen Kontinent riskieren, der so wenig für seine eigenen konventionellen Verteidigungskapazitäten tut? Dies ist keine unbegründete Frage, und während frühere US-Präsidenten diesbezüglich vorsichtige Zurückhaltung übten, hat jetzt ein populistischer Demagoge alle Hemmungen fallengelassen.