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Die rosarote Welt der Märkte

LAGUNA BEACH – Bislang war das Jahr 2014 von einer Reihe unvorhergesehener wirtschaftlicher und geopolitischer Veränderungen geprägt und durch Marktveränderungen gekennzeichnet: Ein ungewöhnliches Jahr für die Weltwirtschaft – und das wird im letzten Quartal vermutlich nicht anders sein. Der weitere Verlauf dieser Veränderungen wird die Wirksamkeit von Regierungspolitiken – und vieles andere mehr – wesentlich beeinflussen. Warum also haben sich Finanzmärkte verhalten, als lebten sie in einer eigenen Welt?

Offenbar unbeeindruckt vom enttäuschenden Wachstum in Industrie- und Schwellenländern oder von zunehmenden Spannungen in Osteuropa und im Nahen Osten, ist auf den Aktienmärkten in diesem Jahr ein Rekord nach dem anderen erzielt worden. Diese beeindruckende Rallye hat eine Menge historischer Beziehungen ignoriert, einschließlich der traditionellen Korrelation zwischen der Wertentwicklung von Aktien und Staatsanleihen. Tatsächlich haben sich die Korrelationen einer Reihe verschiedener Anlageklassen auf untypische und bisweilen unbeständige Art und Weise entwickelt.

Auf politischer Ebene weicht die geldpolitische Geschlossenheit der Industrieländer unterdessen einem mehrgleisigen System, wobei die Europäische Zentralbank verstärkt auf geldpolitische Impulse setzt, während die US-Notenbank Fed diese zurückfährt. Diese Faktoren lassen die Weltwirtschaft in mehreren Bereichen mit tiefen Unsicherheiten behaftet in das letzte Quartal dieses Jahres gehen.

In den kommenden Monaten spielen dabei vor allem eskalierende geopolitische Konflikte eine große Rolle, die in eine entscheidende Phase gehen, jenseits derer sich das Schreckgespenst gravierender systemischer Verwerfungen in der Weltwirtschaft verbirgt. Dies gilt insbesondere in der Ukraine, wo Russland und der Westen, trotz der gegenwärtigen Waffenruhe, erst noch Wege finden müssen, die Spannungen endgültig abzubauen. Ohne einen Durchbruch würde die unweigerliche neue Runde von Sanktionen und Gegensanktionen Russland und Europa wahrscheinlich in die Rezession stürzen und die weltweite Wirtschaftstätigkeit dämpfen.