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Malaysia wird islamisch

SINGAPUR – Im gegenwärtig in Malaysia herrschenden politischen Klima kann man radikale nicht mehr von gemäßigten Muslimen unterscheiden. Obwohl von offizieller Seite mit der multikulturellen Bevölkerung des Landes und einem Bekenntnis zum Pluralismus geprahlt wird, sind der Islam und die Regierung im Grunde miteinander verschmolzen.

Zwei Jahrzehnte lang hat die regierende United Malays National Organization (UMNO, Vereinigte Nationale Organisation der Malaien) enorme öffentliche Mittel in den Aufbau eines Netzwerkes islamischer Institutionen investiert. Ursprünglich bestand die Absicht der Regierung darin, radikale Forderungen nach einer extremen Version islamischer Regierungsgewalt abzuwehren. Im Lauf der Zeit führten die Bemühungen der UMNO ihre Kritiker auszustechen jedoch dazu, dass die Partei den Staat über-islamisierte.

Das Programm der UMNO hat die Scharia, Scharia-Gerichte und eine umfassende islamische Bürokratie etabliert; eine kollektive Anstrengung, die sich verselbständigt hat. Die Anzahl der eingeführten islamischen Gesetze hat sich in knapp über zehn Jahren vervierfacht. Nach Iran oder Saudi-Arabien ist das Gerichtswesen in Malaysia wahrscheinlich das umfassendste in der islamischen Welt, und die damit einhergehende Bürokratie ist nicht nur ausgedehnt, sondern besitzt mehr Biss als das Nationalparlament.

Die islamischen Gesetze in Malaysia basieren auf religiöser Doktrin, werden jedoch von Landesparlamenten als Gesetze kodifiziert und verabschiedet. Ihr Erlass wird nicht weiter diskutiert, da die Furcht vor Häresie die meisten Kritiker davon abhält, irgendetwas in Frage zu stellen, was als islamisch erachtet wird.