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Global Governance ohne Führung

CAMBRIDGE – Die Weltwirtschaft tritt in eine neue Phase ein, in der globale Zusammenarbeit immer schwieriger wird. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union, von Schulden geplagt und nur langsam wachsend – und deshalb mit innenpolitischen Problemen beschäftigt – können keine globale Regeln mehr vorgeben oder erwarten, dass sich andere an solche halten.

Dieser Trend wird dadurch noch verstärkt, dass aufstrebende Mächte wie China und Indien großen Wert auf nationale Souveränität legen und eine Einmischung in ihre innenpolitischen Angelegenheiten ablehnen. Deshalb unterwerfen sie sich auch ungern internationalen Regeln (oder dem Anspruch, sich nach solchen zu richten) – und beteiligen sich nicht gern an multilateralen Institutionen, wie es beispielsweise die USA nach dem zweiten Weltkrieg taten.

Also bleiben globale Führung und Zusammenarbeit vergleichsweise knapp bemessen und erfordern eine fein abgestimmte Regulierung der weltweiten Wirtschaft – insbesondere bedeutet dies eine geringere Anzahl von Regeln, die aber die Vielfalt nationaler Besonderheiten und den Bedarf nach politischer Autonomie berücksichtigen. Aber die Diskussionen bei den G-20, der Welthandelsorganisation und anderen multilateralen Foren gehen so weiter, als würde lediglich mehr von allem Bisherigen benötigt – mehr Regeln, mehr Harmonisierung und mehr Disziplin in der nationalen Politik.

Grundsätzlich betrachtet richtet sich die Art, über globale Führungsprobleme nachzudenken, nach dem Prinzip der “Subsidiarität”.. Daraus folgt, welche politischen Themen global koordiniert und vereinheitlicht werden sollen und welche hauptsächlich der lokalen Entscheidungsebene überlassen werden müssen. Anhand dieses Prinzips können wir Bereiche, die intensive globale Führung verlangen, von solchen unterscheiden, für die nur eine sehr dünne Schicht globaler Regeln erforderlich ist.