Sasha Mordovets/Getty Images

Die olympische Akrobatik des Kreml

MOSKAU – Nächsten Freitag werden auch Russen unter den Athleten sein, die sich bei der Eröffnungszeremonie der olympischen Sommerspiele 2016 im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro hinter ihren nationalen Fahnen versammeln. Das wäre beinahe nicht passiert. In der Folge der Enthüllungen der Welt-Anti-Doping-Agentur über groß angelegtes und staatlich gefördertes Doping in Russland konnte eine Sperre der russischen Sportler gerade noch verhindert werden.

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, die russische Teilnahme nicht vollständig zu verbieten, sondern es stattdessen den einzelnen Sportverbänden zu überlassen, jeden einzelnen Athleten zu überprüfen und zu entscheiden, wer teilnehmen kann und wer nicht, wurde von einigen mit Enttäuschung, von anderen mit Erleichterung aufgenommen. Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der äußerst geschickt darin ist, auch die schlimmste internationale Demütigung als einen Propagandasieg des Kreml hinzustellen, wäre keine der beiden Optionen besonders schlimm gewesen.

Natürlich sind die Olympischen Spiele - und besonders Medaillen - für Putin sehr wichtig. Wie seine alten sowjetischen Meister verbindet er sportliche Erfolge mit militärischen Erfolgen. Daher hatte er sich auch persönlich dafür eingesetzt, die Winterspiele in Sochi auszurichten. Die Spiele kosteten so viel wie nie zuvor, 50 Milliarden US-Dollar, aber es hat sich gelohnt: Russland gewann die meisten Medaillen. (In den Spielen in Sochi liegt allerdings auch der Kern des Dopingskandals.)

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