Eine gefährliche Dreiecksbeziehung – die Ukraine, Europa und Russland

BERLIN – Etwas Vergleichbares hat die EU bisher wohl kaum erlebt! Die Regierung der Ukraine unter Präsident Janukowitsch hat die Verhandlungen mit Brüssel über ein Assoziierungsabkommen nur zum Schein geführt worden und endeten mit einer ukrainischen Absage. Der EU Gipfel in Vilnius sah sich völlig düpiert und wirkte wie eine Versammlung begossener Pudel. In Moskau dagegen dürfte man diese Absage still genossen haben.

Wie man heute weiß, bestand der eigentliche Zweck dieser Scheinverhandlungen für Janukowitsch ausschließlich darin, den Preis für eine Vereinbarung mit Russland hochzutreiben. Und das ist ihm offensichtlich gelungen, denn nur wenige Tage später einigte sich der ukrainische mit dem russischen Präsidenten in Moskau auf einen russischen Kredit in Höhe von 15 Mrd. Dollar, auf eine Absenkung der Gaspreise (die Ukraine bezahlte bis dahin einen der höchsten Preise für russisches Exportgas) und verschiedene Handelsabkommen.

Aus Sicht von Janukowitsch macht dieses Abkommen kurzfristig Sinn, denn die Ukraine kommt mit dem russischen Gas durch den Winter, vermeidet mittels des Kredits ihre Zahlungsunfähigkeit und hält sich den russischen Markt offen, von dem sie abhängig ist. Auf mittlere Sicht allerdings droht die Ukraine mit der Absage an Europa und durch das Abkommen mit Russland ihre Unabhängigkeit in Frage zu stellen, und das ist das eigentliche, weil weit über die Ukraine hinausgreifende gesamteuropäische Problem. Denn von der Unabhängigkeit der Ukraine hängt die postsowjetische Ordnung in Europa ab.

To continue reading, please log in or enter your email address.

To read this article from our archive, please log in or register now. After entering your email, you'll have access to two free articles from our archive every month. For unlimited access to Project Syndicate, subscribe now.

required

By proceeding, you agree to our Terms of Service and Privacy Policy, which describes the personal data we collect and how we use it.

Log in

http://prosyn.org/1i57iDa/de;

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated cookie policy and privacy policy.