taylor12_CHANDAN KHANNAAFP via Getty Images_janet yellen Chandan Khanna/AFP via Getty Images

Eine geldpolitische Denkerin im Finanzministerium

STANFORD – Kein US-Finanzminister wird sich so häufig und mit so viel Autorität zur Geldpolitik geäußert haben wie Janet Yellen, wenn diese erst einmal für dieses Amt vereidigt ist. Der einzig andere frühere US-Notenbankchef, der später Finanzminister wurde, war 1979 G. William Miller, und dieser hatte nur ein Jahr bei der Fed verbracht. Yellen dagegen war zwei Jahrzehnte lang – in guten wie in schlechten Zeiten – dort tätig: als wirtschaftswissenschaftliche Mitarbeiterin, Vorstandsmitglied, Präsidentin des Distrikts San Francisco, stellvertretende Notenbankchefin und Notenbankchefin.

Eine derart erfahrene Leitung an der Spitze des Finanzministeriums wird in den kommenden Monaten und Jahren großen Einfluss auf die Regeln und Strategie der Geldpolitik ausüben. Wer Vermutungen darüber anstellt, was Yellen tun könnte, kann eine lange Geschichte zurate ziehen. Im Jahr 1996 äußerte sie sich, damals als Vorstandsmitglied der Fed, in einer Rede mit dem Titel „Geldpolitik: Ziele und Strategien“ über geldpolitische Regeln. Sie stellte dabei beispielhaft die Taylor-Regel heraus und erklärte, diese habe „attraktive Eigenschaften als normative Beschreibung, wie politisches Handeln aussehen sollte“.

Bei ihrer Aufzählung einiger dieser Eigenschaften verwies Yellen darauf, dass die Taylor-Regel ein „langfristiges Inflationsziel“ umfasse und „eine Strategie für den Umgang mit Zielkonflikten enthält … mit Schritten, die im Kontext einer systematischen langfristigen Strategie … ergriffen werden“. Sie sei „angesichts eines breiten Spektrums von Erschütterungen“ nachweislich „bemerkenswert erfolgreich“ und könne „der Federal Reserve helfen, der Bevölkerung die Gründe für geldpolitische Schritte zu vermitteln“.

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