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Irak, ein Großer Sprung nach vorn für Chinesische Intellektuelle

Noch bevor die ersten Bilder von den Einschlägen der Marschflugkörper in Bagdad auf chinesischen Fernseh-Bildschirmen erschienen, erörterten die Intellektuellen des Landes den von den USA angeführten Krieg gegen den Irak und die Antwort der eigenen Regierung darauf. Die Kommentare in den führenden Zeitungen und online-Journalen zeigten eine Vielfalt an Meinung, die für die vom Staat kontrollierten Medien des Landes selten ist, und die eine breitere Diskussion in den Wohnzimmern der Menschen ausgelöst hat.

Die Erörterungen drehten sich zumeist um die Frage, ob der Krieg gerechtfertigt sei. Dazu wurden Meinungen in Zeitungen und in online Foren, wie auf der Homepage der Schule für Medien an der Universität Qinghua University, die weithin als ,,Chinas MIT" bekannt ist, geäußert. Dort war eine Petition gegen den Krieg mit über 1000 Unterschriften, zu meist von Akademikern, erschienen.

Wenn diese Reaktionen von unten auch die Einstellung der Regierung gegen den Krieg teilten, überraschten sie doch in einem Land, das den nicht vorgeschriebenen politischen Diskurs zu unterbinden sucht. Es war daher umso erstaunlicher zu erleben, dass sogar Gefühle zur Unterstützung des Krieges öffentlich ausgedrückt wurden, etwa in der Petition, die in der Wochezeitung Weltbote des 21. Jahrhunderts ( 21st Century World Herald) aus Guangzhou erschienen war. Diese Petition bekundete einen tabuisierten Standpunkt: "Menschenrechte seien von größeren Wert als die nationale Souveränität."

In einer seltenen Herausforderung der Regierung schrieb der Schriftsteller Yu Jie aus Peking, einer der Verfasser der Petition, China solle den Krieg gegen den Irak unterstützen. Nur wenn es universelle Werte übernehme und sich von "bösen Staaten" distanziere, könne China - so Yu - auf eine Stufe mit den gängigen Demokratien der Welt gelangen.