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Die Ökonomie der Inklusion

CAMBRIDGE – Viele Menschen finden, dass Wirtschaftswachstum ein moralisch zwiespältiges Ziel und, so der Einwand, nur akzeptabel ist, wenn es möglichst vielen zugutekommt und ökologisch nachhaltig ist. Mein Vater pflegt zu sagen: „Nur weil etwas schwierig ist, muss es nicht unmöglich sein.“ Wenn wir nicht wissen, wie wir Volkswirtschaften wachsen lassen können, folgt daraus, dass wir nicht wissen, wie wir sie auf integrative und nachhaltige Weise wachsen lassen können.

Wirtschaftswissenschaftler ringen seit Jahrhunderten mit Kompromissen im Zielkonflikt zwischen Wachstum und Gerechtigkeit. Was macht den Zielkonflikt aus? Wie lässt er sich minimieren? Kann Wachstum aufrechterhalten werden, wenn es zu mehr Ungleichheit führt? Behindert Umverteilung Wachstum?

Ich glaube, dass sowohl Ungleichheit als auch langsames Wachstum häufig die Folge einer bestimmten Form von Ausgrenzung sind. Von Adam Smith ist folgende Argumentation bekannt: „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen.“ Warum also sollte nicht das eigene Interesse der Menschen entscheidend für ihre Teilhabe am Wachstum sein, sondern die Notwendigkeit bestehen, bewusst kollektive Maßnahmen zu ergreifen?

Bekanntermaßen gibt es auf der Welt drastische Einkommensunterschiede. Aufgrund von zwei Jahrhunderten anhaltenden Wachstums beträgt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in den OECD-Ländern knapp 40.000 US-Dollar und ist damit 3,3- bzw. 11,3- und 17,7-mal höher als in Lateinamerika, Südasien und Afrika südlich der Sahara. Der Großteil der Weltbevölkerung bleibt offensichtlich von anhaltendem Wachstum ausgeschlossen.