Die unstete Integration der europäischen Finanzmärkte

LONDON – Die zahlreichen Medienberichte über die Schwierigkeiten der portugiesischen Banco Espírito Santo in diesem Sommer haben uns vor Augen geführt, dass die finanziellen Probleme der Eurozone keineswegs gelöst sind. Bei den Problemen der Bank spielen zweifellos spezifische Faktoren eine ursächliche Rolle, die auf die Kopplung der Bank an andere Teilbereiche des Familienimperiums Espírito Santo zurückführen sind. Nachdem die Bank für das erste Halbjahr einen Verlust in Höhe von 3,6 Milliarden Euro bekannt gegeben hatte, kam es jedoch zu einem jähen Vertrauensverlust und nervöse Investoren stellen sich die Frage, ob andernorts vergleichbare Zeitbomben ticken.

Alle Augen richten sich jetzt auf die Prüfung der Aktiva-Qualität (Asset Quality Review – AQR) durch die Europäische Zentralbank, die in den kommenden Monaten abgeschlossen werden soll. Die AQR ist das zentrale Element einer „umfassenden Bewertung“ der europäischen Banken bevor die EZB im November offiziell die Verantwortung für die Aufsicht über mehr als 80% des Bankensystems der Eurozone übernehmen wird.

Die EZB will vernünftigerweise alle potentiellen Schrecken sichtbar machen bevor sie die Aufsicht übernimmt – damit ihr nicht die Schuld zugeschoben werden kann. Da die Zuständigkeit nicht mehr nationalen Aufsichtsbehörden obliegt, die oftmals geneigt sind, die Institute ihrer Länder in rosigem Licht erscheinen zu lassen, können wir hoffen, dass die Bewertung fundierter sein wird als die vorherigen Stresstests, die unter der Leitung der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) durchgeführt wurden. Anders als ihrem Pendant in den Vereinigten Staaten ist es diesen Tests nicht gelungen das Vertrauen wiederherzustellen. Mehrere Banken, die mit Bravour bestanden hatten, waren bald gezwungen neues Kapital aufzunehmen.

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