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Greenspans Selbsthypnose

Am Vorabend des letzten Zusammentreffens der G7 in London vollführte der Chairman der US Federal Reserve, Alan Greenspan, eine verblüffende Kehrtwende, indem er Amerikas Handelsdefizit herunterspielte. „Der von den Märkten ausgehende Druck … scheint angetan,“ so erklärte er, „das Leistungsbilanzdefizit und den damit einhergehenden Finanzierungsbedarf zu stabilisieren und langfristig möglicherweise zu senken.“ Nur zwei Monate zuvor, in Frankfurt, hatte Greenspan noch davor gewarnt, dass das amerikanische Defizit nicht dauerhaft fortbestehen könnte, ohne dass der Dollar abgewertet würde. Was wird hier gespielt?

Sicher, die Handelszahlen der USA haben sich etwas verbessert. Das voraussichtliche Handelsdefizit für Dezember beträgt 57 Milliarden Dollar – ein Fortschritt gegenüber dem Rekordfehlbetrag von 60,3 Milliarden im November. Darüber hinaus wird die Zahl vom November aufgrund eines kürzlich entdeckten statistischen Fehlers der kanadischen Behörden nach unten korrigiert werden.

Es sind jedoch politische und nicht wirtschaftliche Gründe, die erklären, warum der Chairman der Fed in Bezug auf Amerikas schwache Außenhandelsposition nun andere Töne anschlägt: Greenspans Erklärung in Frankfurt im November verschreckte führende Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank (EZB), die sie als eine „Provokation“ auffassten – welche den Dollar umgehend auf eine unerwünschte Talfahrt schickte.

Das Letzte, was der Maestro von der Fed wollte, war eine Wiederholung dieses Schauspiels am Vorabend des G7-Treffens – eines Treffens, dass die internationale Zusammenarbeit veranschaulichen soll. Also entschied sich Greenspan zu einem Friedensangebot an die Europäer.