Europas wirtschaftliches Groupthink

FRANKFURT – Während der jüngsten Anhörung zur Verfassungskonformität der Maßnahmen, mit denen die Europäische Zentralbank ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern sucht, warf der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Vosskuhle, eine wichtige Frage auf: Lehnen nicht-deutsche Ökonomen die „Outright Monetary Transactions“ (OMT) so unzweideutig ab wie alle (außer einem der) angehörten deutschen Experten?

Natürlich gibt es deutsche Ökonomen (von der Bundesregierung gar nicht zu reden), die die Politik von EZB-Präsident Mario Draghi unterstützen. Trotzdem scheint eine überwältigende Mehrheit der deutschen (und möglicherweise der niederländischen und finnischen) Volkswirte es vorzuziehen, wenn die EZB in der Eurokrise an der Seitenlinie bleiben würde. Es ist eine fiskalische Angelegenheit, so der typische deutsche Ökonom, und die Geldpolitik vermag da nicht nützlich zu sein; im Gegenteil: Ihr Einsatz wird die Lage vielmehr verschlimmern, vor allem im Lichte der falschen Anreize mit Blick auf künftiges Verhalten.

Natürlich hätten es alle vorgezogen, wenn die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik als Ergebnis der Krise nicht verwischt worden wäre. Einfach an diesem  Prinzip festzuhalten, wäre für die EZB allerdings auf eine hochriskante Lage hinausgelaufen. Dies hätte nämlich bedeutet, in 2012 das so genannte „Redenominierungsrisiko“ zu akzeptieren – wirtschaftliches Neusprech für ein Auseinanderbrechen der Eurozone. Die Schockwellen wären, ohne Frage, höher gewesen als die der Lehman-Insolvenz.

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