Richard Spencer Chip Somodevilla/Getty Images

Nazis und Hipster

BERLIN – In den letzten Wochen rückten in den amerikanischen und deutschen Medien einige bizarre politische Kontroversen in den Vordergrund. In den Vereinigten Staaten wird immer noch über Präsident Donald Trumps mehrdeutige Reaktion auf die Gewalt weißer Rassisten und Neonazis in Charlottesville, Virginia, diskutiert. Und die Deutschen beschäftigen sich mit einer Veröffentlichung des deutschen Finanzstaatssekretärs Jens Spahn, in der er sich darüber beschwert, englischsprachige Hipster würden die nationale Identität Deutschlands untergraben.

Diese Debatten verdeutlichen, wie die jeweilige Politik eines Landes durch seine Geschichte und nationale Identität geprägt wird. In Charlottesville wurde die 32-jährige Heather Heyer von einem weißen Rassisten getötet, der mit seinem Auto in eine Menschenmenge fuhr. Er und viele andere weiße Rassisten waren dort, um gegen die Entscheidung der Stadt zu protestieren, eine Statue des Konföderiertengenerals Robert E. Lee zu entfernen. Als sie auf Gegendemonstranten stießen, reagierten einige von ihnen mit Gewalt.

In den USA steht jetzt nicht mehr die Politik der sozioökonomischen Klassen im Vordergrund, sondern ganz klar diejenige der kulturellen Identität. Dadurch, dass Trump umstrittene Denkmäler verteidigt und behauptet, an der Tragödie von Charlottesville seien „beide Seiten“ schuld gewesen, signalisiert er seiner größtenteils weißen Wählerbasis, dass er sie weiterhin als „bedrohte Minderheit“ betrachtet und für ihre Rechte kämpft. Sein Wahlversprechen, Amerika wieder „groß zu machen“, war immer schon eine Umschreibung für seine Abneigung gegen ein ethnisch immer vielfältigeres Land.

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