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Flucht der US Federal Reserve aus New York

WASHINGTON, DC – Das US Federal Reserve System ist die wichtigste Notenbank der Welt. Die Entscheidungen der „Fed“ über Zinsen und Finanzregulierung hallen überall an den Weltmärkten wider und beeinflussen das Leben von Millionen von Menschen. Doch ihre Führungsstruktur entstammt einer anderen Ära; sie ist antiquiert, zunehmend problematisch und bedarf dringend einer vernünftigen Reform.

Die Fed hat im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise von 2007-08 schwerwiegende Fehler gemacht, insbesondere, indem sie einen laschen Ansatz bei der Beaufsichtigung zentraler Finanzinstitute verfolgte und zuließ, dass einige sehr große Banken sehr anfällig wurden. Es ist eine große Ironie der modern amerikanischen Politik, dass die Dodd-Frank-Finanzreformen von 2010, die auf die Krise folgten, der Fed tatsächlich mehr Macht gaben, und zwar vor allem, weil man der Ansicht war, dass die anderen Regulierungsbehörden ihre Sache noch schlechter gemacht hätten.

Angesichts der äußerst durchwachsenen Bilanz der Fed seit den Dodd-Frank-Reformen sieht es aus, als ob einige ihrer Vertreter diese Bankrotterklärung des Kongresses als Aufforderung zum Weiter-so betrachten würden. Jüngste Presseberichte haben Versäumnisse bei der Aufsicht insbesondere bei der Federal Reserve Bank of New York und in ihrem Umfeld aufgezeigt. Die Federal Reserve Bank of New York ist eine von zwölf Regionalbanken im Fed-System, das außerdem über einen Exekutivrat in Washington, D.C. verfügt.

Diese Regionalstruktur ist das Ergebnis gesetzgeberischer Kompromisse im Jahre 1913, als die Fed gegründet wurde, und erneut Mitte der 1930er Jahre, als ihre Führungsstruktur zuletzt überholt wurde. Während die Mitglieder des Fed-Exekutivrates in Washington vom amerikanischen Präsidenten nominiert und durch den Senat bestätigt werden, werden die Präsidenten der regionalen Mitgliedsbanken der Federal Reserve durch örtliche Verwaltungsräte bestimmt.