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Die Risiken der US-Notenbankpolitik für die Schwellenländer

MAILAND – Die US-Notenbank (Fed) hat nach fast einem Jahrzehnt stetig sehr niedriger Zinsen endlich die Federal Funds Rate (den US-Leitzins, an dem sich alle anderen US-Zinssätze orientieren) um 25 Basispunkte erhöht. Damit beträgt der neue Zinssatz nun – immer noch ultraniedrige – 0,5%, und Notenbankchefin Janet Yellen hat klugerweise versprochen, dass weitere Zinserhöhungen nur allmählich folgen würden. Angesichts des Zustands der US-Wirtschaft – mit einem realen Wachstum von 2%, einem anziehenden Arbeitsmarkt und wenig Anzeichen für einen Anstieg der Inflation in Richtung des Zielwertes der Fed von 2% – betrachte ich diese Zinserhöhung als vernünftigen, vorsichtigen ersten Schritt in Richtung Normalität (definiert als besseres Gleichgewicht zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern).

Andere Notenbanken freilich insbesondere in Volkswirtschaften, in denen die Produktionslücke größer ist als in den USA, dürften wenig Lust haben, dem Beispiel der Fed zu folgen. Dies impliziert eine sich anbahnende Phase geldpolitischer Divergenz mit unklaren Folgen für die Weltwirtschaft.

Oberflächlich betrachtet sollte eine winzige Änderung bei den US-Zinsen keine dramatischen Veränderungen bei den weltweiten Kapitalflüssen auslösen. Doch könnte eine zunehmende Normalisierung der US-Geldpolitik durchaus wirtschaftliche und finanzielle Dominoeffekte nach sich ziehen, insbesondere in Form von Währungsschwankungen und destabilisierenden Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern.

Der Grund, warum wir diese Möglichkeit fürchten sollten, ist, dass das wirtschaftliche Gleichgewicht sowohl fragil als auch instabil ist – und ohne entschlossene und koordinierte politische Interventionen gefährlich ins Wanken geraten könnte. Auch wenn eine Zinserhöhung der Fed es nicht zum Kippen bringt, könnte irgendein anderes, scheinbar harmloses Ereignis es tun.