Pedro Molina

Die Wirtschaftswissenschaften in der Krise

BERKELEY – In Bretton Woods  – dem Ort, an dem 1945 die globale Wirtschaftsarchitektur der Gegenwart konzipiert wurde – fand jüngst eine Konferenz statt. Der interessanteste Moment kam, als der Financial Times-Kolumnist Martin Wolf den früheren US-Finanzminister und Wirtschaftsberater Präsident Barack Obamas, Larry Summers, befragte. „Deuten die Ereignisse der letzten Jahre nicht darauf hin“, fragte Wolf, „dass die [akademischen] Ökonomen einfach nicht verstanden haben, was vor sich ging?”

Der bemerkenswerteste Teil von Summers’ langer Antwort lautete: „Bei [Walter] Bagehot ist viel über die Krise zu finden, die wir gerade durchgemacht haben. Noch mehr bei [Hyman] Minsky und vielleicht sogar noch mehr bei [Charles] Kindleberger.” Das klingt für Nicht-Ökonomen vielleicht etwas obskur, aber eigentlich es war eine verheerende Anklage.

Bagehot (1826-1877) war Mitte des 19. Jahrhunderts Herausgeber der Wochenzeitung The Economist und veröffentlichte 1873 ein Buch über Finanzmärkte mit dem Titel Lombard Street. Natürlich hat Summers Recht: in Lombard Street ist tatsächlich sehr viel über die Krise zu finden, von der wir uns gerade erholen.

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