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Stabilität und Wohlstand in der Währungsunion

FRANKFURT – Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass der Euroraum eine Währungsunion ohne eine politische Union sei. Dabei wird grundlegend missverstanden, was eine Währungsunion eigentlich bedeutet. Die Währungsunion ist nur möglich, weil wir bereits eine beachtliche Integration zwischen den Ländern der Europäischen Union erreicht haben – und die gemeinsame Währung vertieft diese Integration weiter.

Wenn sich die Europäische Währungsunion als widerstandsfähiger erwiesen hat, als viele gedacht hatten, liegt das allein daran, dass die Zweifler diese politische Dimension falsch beurteilt hatten. Sie hatten unterschätzt, wie eng die Verbindungen zwischen den Mitgliedern waren, wie viel sie gemeinsam investiert hatten – und wie groß ihre Bereitschaft sein würde, Probleme gemeinsam zu lösen, wenn es wirklich darauf ankommen sollte.

Es ist jedoch auch klar, dass unsere Währungsunion noch nicht vollendet ist. Diese Diagnose stellten vor zwei Jahren die sogenannten „vier Präsidenten“ (der Präsident des Europäischen Rates in enger Zusammenarbeit mit den Präsidenten der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und der Eurogruppe). In einigen Bereichen wurden wichtige Fortschritte erzielt, in anderen hingegen ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen.

Was aber bedeutet das: eine Währungsunion zu „vollenden“? Es bedeutet vor allem, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Währungsunion ihren Mitgliedern mehr Stabilität und Wohlstand bringt. Sie müssen innerhalb der Währungsunion besser dastehen als außerhalb.