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Digitale Zahlungsmethoden im Blickfeld

CHICAGO – Das Interesse an digitalen Zahlungsmethoden wächst und sorgt für immer höhere Bewertungen, wie der Börsenwert des US-Zahlungsabwicklers Stripe in Höhe von 95 Milliarden Dollar zeigt. Warum all die Aufregung, und warum jetzt?

Einerseits ist der Grund offensichtlich: Über digitale Zahlungen können Kunden Verkäufer bezahlen, ohne dass sie dafür Bargeld verwenden müssen. Obwohl die Technologie bereits seit langer Zeit verfügbar ist, wird sie endlich besser für die Bezahlung kleiner Einkäufe nutzbar. Darüber hinaus hat die Pandemie den Übergang zu digitalen Zahlungsmitteln beschleunigt, weil die Menschen mehr online einkaufen und es vermeiden, bei normalen Käufen bar zu zahlen.

Außerdem können über Digitalzahlungen Echtzeitdaten, Zahlungsflüsse und Kaufgewohnheiten der Kunden eines Verkäufers ermittelt werden. Dies ermöglicht es Zahlungsanbietern, diesem Verkäufer Kredite, Geldanlagen, Vermögensverwaltung, Inkasso, Versicherungen und andere Finanzdienstleistungen anzubieten. Während es einst die Kredite waren, über die Kunden gewonnen und eine Vielzahl finanzieller Dienste angeboten wurden, könnten Digitalzahlungen heute ein sichererer Weg in diese Richtung sein.

Wickelt aber ein Zahlungsanbieter nur einen kleinen Teil der Zahlungen eines Unternehmenskunden ab, hat er auch nur ein unvollständiges Bild von diesem. Daher legen Anbieter Wert darauf, alle Zahlungsmittel zu kontrollieren: Bankkonten, E-Wallets, Kreditkarten, Kryptowährungen und so weiter. Und E-Commerce- und Social-Media-Plattformen wollen noch einen Schritt weiter gehen, indem sie ihre mächtigen Datensammlungswerkzeuge mit Zahlungsdienstleistungen verknüpfen.

Hat ein Anbieter einen fast vollständigen Einblick in das Nutzerverhalten, kann er nicht nur (direkt oder über Partner) alle Bedürfnisse der Kunden erfüllen, sondern sie auch langfristig binden, da die Kosten, anderswo ähnliche Dienste zu suchen, zu hoch sind. Diese Kundenbindung muss nicht ausschließlich ausbeuterischer Natur sein: Eine Unternehmerin, die für eine Vielzahl von Diensten einen einzigen Anbieter nutzt, kann kreditwürdiger sein, da sie im Fall eines Scheiterns weniger Gefahr läuft, diese Dienste zu verlieren.

Außerdem gibt es viel Begeisterung für Kryptowährungen, die auch ein digitales Zahlungsmittel sind und normalerweise zuerst den Umtausch einer Fiat-Währung (wie US-Dollar) erfordern. Eine Kryptowährung wie Bitcoin bietet als Zahlungsmittel große Vorteile, weil sie im Gegensatz zu Fiat-Währungen nicht weginflationiert werden kann (da ihr Angebot begrenzt ist). Außerdem ermöglicht sie eine dezentralisierte Zahlungsverifizierung, womit die Notwendigkeit des Vertrauens zwischen den Parteien wegfällt – ganz zu schweigen von der des Vertrauens in Regierungen oder Regulierungsbehörden.

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Aber für die Verwendung von Bitcoin gibt es Hindernisse: Sein Wert wird nicht von einer Zentralbank verwaltet, also kann er enorm schwanken. Abgesehen von völligen Enthusiasten wollen Unternehmen keine Währung halten, deren Wert sich täglich um 10% verändern kann. Und aufgrund kostspieliger, dezentralisierter Verifizierungsprozesse sind Transaktionen in Bitcoin teuer und ineffizient. Laut Schätzungen ist der Stromverbrauch der Verifizierung von Bitcoin-Transaktionen höher als derjenige eines mittelgroßen Landes. Dass ein derart umweltschädigender Prozess dauerhaft toleriert wird, ist kaum vorstellbar.

Andere Kryptowährungen haben einen festen Wert, weil sie an Währungen wie den Dollar gebunden und vollständig durch Bargeldreserven gedeckt sind. Diese „Stabilcoins“ sind leichter für Zahlungen zu verwenden, aber wie andere traditionelle Zahlungsmittel hängen auch sie von (nervtötenden) Regulierungsbehörden ab. Obwohl einige „Stabilcoins“ andere Methoden der Zahlungsverifizierung nutzen, konnte sich bisher keine von ihnen als die nächste „Killer-App“ etablieren.

Kryptowährungen stehen deshalb erst am Anfang. Grundsätzlich bietet der Bitcoin eine Lösung für das mangelnde Vertrauen in Fiat-Währungen, Zentralbanken und Regierungen. Aber jenseits von Paranoiden, Kriminellen und Terroristen sind solche Sorgen nicht weit verbreitet. Sollten jedoch mehr Menschen zu der Ansicht gelangen, dass die Zentralbanken eine Abwertung der Fiat-Währungen beabsichtigen oder sich die Welt in amerikanisch und chinesisch dominierte Blöcke aufspaltet, die den jeweils anderen Währungen oder Abrechnungssystemen nicht vertrauen, könnte sich dies ändern.

Unmittelbar sinnvoller könnte eine Kryptowährung sein, die darauf spezialisiert ist, die Transaktionskosten schwieriger (beispielsweise geringwertiger oder grenzüberschreitender) Zahlungen zu senken. Beispielsweise könnten unersättliche, aber vielseitige Leserinnen und Leser so für jeden online gelesenen Artikel Mikrozahlungen leisten, ohne teure Abonnements abschließen zu müssen. Ähnlich vielversprechend ist die Idee smarter Verträge, bei denen die Zahlungen automatisch stattfinden, nachdem eine bestimmte, verifizierbare Bedingung erfüllt wurde (was die Notwendigkeit beseitigt, Menschen zu vertrauen).

Auf jeden Fall würde der Markteintritt eines dominanten Anbieters digitaler Zahlungsmöglichkeiten wichtige öffentliche Fragen aufwerfen – beispielsweise, ob ihm vertraut werden kann, dass er Kundendaten verantwortungsbewusst sammelt und verwendet. So stieß Facebooks angekündigte Währung (Libra, die seitdem in Diem umbenannt wurde) wegen der zweifelhaften Datenschutztradition des Unternehmens auf die Skepsis der Finanzregulierer. In diesem Zusammenhang hat Europa einen ersten Versuch unternommen, Daten anhand seiner Datenschutzgrundverordnung zu regulieren. Aber angesichts der Entwicklungen im Bereich der Digitalzahlungen muss dieses Gesetz noch verfeinert werden.

Dieses Thema hat auch kartellrechtliche Aspekte: Hat ein einzelner Zahlungsanbieter, der alle unternehmerischen Dienstleistungen – einschließlich Onlinehandel und Logistik – abdeckt, übermäßige Marktmacht? So sind die jüngsten Spannungen zwischen chinesischen Regulierungsbehörden und der Ant Group teilweise auf die Angst zurückzuführen, dass E-Commerce-Plattformen wie Alibaba (Ants Mutterkonzern) ihre – durch Zahlungsdienste verstärkte – Marktmacht dazu nutzen, den Wettbewerb einzuschränken. Verhindert werden könnte dies durch öffentliche Zahlungsbrücken wie das indische Unified Payments Interface, bei denen die wichtigsten Zahlungsdienstleistungen für alle offen sind und nicht von einer einzigen privaten Quelle kontrolliert werden.

Aber die vielleicht größte regulatorische Sorge besteht gegenüber den systemischen Risiken. Dominieren ein oder zwei Anbieter die digitalen Einzelhandelszahlungen eines ganzen Landes, könnte der Handel, wenn etwas schief geht, komplett lahmgelegt werden. Fortschritte in der Kryptographie (durch Quantencomputer) könnten es ermöglichen, bestehende Systeme digitaler Verifizierung zu untergraben. Und öffentliche Brücken können zwar den Wettbewerb fördern, aber auch Risiken konzentrieren. Der einzige Weg, dies im Zahlungssektor zu umgehen, besteht in einem Zusammenspiel mehrerer Anbieter, mehrerer Brücken und mehrerer Technologien.

Die Zentralbanken erwägen momentan, sich selbst am Spiel um die digitalen Zahlungen zu beteiligen. Sie fürchten, dass sie, wenn Bargeld überflüssig wird, die Kontrolle über den Zahlungsverkehr verlieren, oder dass ihnen andere Zentralbanken zuvorkommen. Durch eigene Digitalwährungen könnten Zentralbanken ihre öffentliche Präsenz im Zahlungsbereich sichern, aber auch dies würde nicht nur wiederum Daten und Risiken an einem Ort konzentrieren, sondern auch das Überleben der privaten Anbieter in Frage stellen. Aber dies könnte ein Thema für einen anderen (meinen nächsten) Kommentar sein.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

https://prosyn.org/LtYUz3Bde