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Die Entmystifizierung der chinesischen Wirtschaft

WASHINGTON, DC – China war jahrtausendelang eine hoch entwickelte und wohlhabende Kultur, bevor es im 18. Jahrhundert zu einem sehr armen Land wurde und es 150 Jahre lang blieb. Mittlerweile ist China wieder auf die Bildfläche zurückgekehrt und hat sich seit Beginn des Übergangs zur Marktwirtschaft im Jahr 1979 zu einer der dynamischsten Ökonomien der Welt entwickelt. Welche Triebkräfte stecken hinter diesem tiefgreifenden Wandel?  

In meinem jüngsten Buch, Demystifying the Chinese Economy, zeige ich auf, dass technische Innovation die Grundlage für nachhaltiges Wachstum in jedem Land und zu jeder Zeit ist. Vor der industriellen Revolution gingen Innovationen hauptsächlich von Handwerkern und Bauern aus. Als bevölkerungsreichstes Land der Welt war China über die meiste Zeit seiner Geschichte Vorreiter der technologischen Innovation und der wirtschaftlichen Entwicklung, denn es verfügte über ein enormes Reservoir an Handwerkern und Bauern.   

Durch die industrielle Revolution beschleunigte sich die Geschwindigkeit des Fortschritts im Westen. Kontrollierte Laborexperimente von Wissenschaftlern und Ingenieuren lösten die technologische Innovation auf Grundlage der Erfahrung ab. Dieser Paradigmenwechsel markierte den Beginn des modernen Wirtschaftswachstums und trug zur Entstehung der „großen Divergenz“ in der Weltwirtschaft bei.

In China gab es jedoch keinen derartigen Wandel. Dies hauptsächlich aufgrund des Systems der chinesischen Beamtenprüfung, das für die Eliten keinen Anreiz bot, sich mit Mathematik und Naturwissenschaften auseinanderzusetzen. Vielmehr kam es darauf an, konfuzianische Klassiker auswendig zu beherrschen.