27

Das Feindbild der Deflation

BRÜSSEL – Die Zentralbanken in den Industriestaaten werden momentan von Deflationsängsten überwältigt. Dabei wäre dies gar nicht nötig: Diese Angst ist nicht nur unbegründet, sondern sogar schädlich.

Ein gutes Beispiel dafür ist Japan. 2013 hat die japanische Notenbank nach Jahrzehnten (leicht) fallender Preise eine nie da gewesene geldpolitische Offensive gestartet. Daraufhin stieg die Inflation tatsächlich für eine gewisse Zeit, aber die Ursachen dafür – eine vom Wettbewerb bestimmte Abwertung des Yen und eine Steuererhöhung – waren nicht von langer Dauer. Heute fällt das Land wieder in eine leichte Deflation – begleitet von panischen Schlagzeilen.

Aber entgegen manchen Medienberichten ist die japanische Wirtschaft weit vom Untergang entfernt. Die Arbeitslosigkeit ist so gut wie verschwunden, die Beschäftigungsrate erreicht immer neue Höhen, und das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen steigt stetig. Tatsächlich ist letzteres sogar während der so genannten „verlorenen Jahrzehnte“ Japans ähnlich stark gewachsen wie in den Vereinigten Staaten und Europa. Und auch mit der Beschäftigungsrate ging es in dieser Zeit bergauf, was vermuten lässt, dass Deflation vielleicht gar nicht so eine Schande ist, wie viele Zentralbanker zu glauben scheinen.

Auch in den USA und Europa gibt es wenig Anzeichen dafür, dass das Scheitern der Zentralbanken beim Erreichen ihrer Inflationsziele zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten geführt hätte. Das Wachstum ist zwar nicht spektakulär, aber immerhin solide, und die Beschäftigung nimmt zu.