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Ansteckungsgefahr aus dem Westen

NEWPORT BEACH – Stellen Sie sich einen Augenblick vor, Sie wären der wichtigste politische Entscheidungsträger in einem erfolgreichen Schwellenland. Mit berechtigter Sorge (und einer Mischung aus Wut und Verwunderung) beobachten Sie, wie sich die lähmende Schuldenkrise in Europa ausbreitet und wie die dysfunktionale Politik in Amerika dazu führt, dass das Land außerstande ist, seine marode Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Würden Sie sich mit der beeindruckenden binnenwirtschaftlichen Stabilität Ihres Landes trösten und die deflationären Winde kompensieren, die aus dem Westen wehen, oder würden Sie auf Nummer sicher gehen und die vorsorglich gebildeten Reserven Ihres Landes erhöhen?

Das ist die Frage, die sich gerade mehreren Schwellenländern stellt, und ihre Tragweite geht weit über die Grenzen dieser Länder hinaus. Tatsächlich geht es bei dieser Frage auch um die zunehmend beunruhigenden Aussichten für die Weltwirtschaft.

Allein die Tatsache, dass wir diese Frage stellen ist neu und bemerkenswert. Man kann sie auf die Liste der bislang undenkbaren Dinge setzen, die wir in letzter Zeit beobachtet haben. Allein in den letzten Wochen hat sich diese Liste um folgende Punkte erweitert: Amerika verliert seine heilige AAA-Bonitätseinstufung und spielt beim politischen Schuldenpoker mit dem Gedanken eines Zahlungsausfalls; die Sorge über Umschuldungen in peripheren EU-Ländern wächst und ein mögliches Auseinanderbrechen der Eurozone wird diskutiert, und die Schweiz ergreift drastische Maßnahmen, um sich gegen ihren Status als „sicherer Hafen“ zu wehren (ja, zu wehren).

Noch vor einigen Jahren wäre die Antwort auf die Frage der Schwellenländer einfach gewesen. Heute ist sie es nicht mehr.