China verheddert sich im Netz

Die Probleme der kommunistischen Führer Chinas mit dem Internet, sind alles andere als "virtuell". Obwohl die chinesischen Ziele der Modernisierung und Globalisierung in diesem Medium kritisch gesehen werden, bedroht das Internet den politischen Status quo. Daher überraschen auch die oftmals zwiespältigen Reaktionen der Regierung auf dieses neue Medium nicht. Während man auf der einen Seite die Entwicklung des Internet nach Kräften unterstützt, versuchen auf der anderen Seite einige Gruppierung der Partei durch Verhaftung von Internet-Unternehmern und Web-Dissidenten ihm den Garaus zu machen. Dennoch verfügen in China mehr als 35 Millionen User - eine Zahl, die sich alle neun Monate verdoppelt - über Zugang zu vielfältiger, ehemals zensurierter Information, wozu auch offiziell verbotene Seiten gehören.

Mittlerweile haben jedoch schon erstaunliche Veränderungen stattgefunden. Als vor etwas mehr als einem Jahr in der verarmten Region Jiangxi (im südlichen Zentralchina), 42 Grundschulkinder und ihre Lehrer in einer Explosion umkamen, berichteten einheimische chinesische Blätter und diverse Internetseiten, dass die Explosion auf eine entsetzliche Form von Kinderarbeit zurückzuführen sei: Neunjährige wurden gezwungen, Zündschnüre an Feuerwerkskörper zu montieren, die dann von den Lehrern zur Gehaltsaufbesserung verkauft wurden.

Zwei Tage später dementierte Premier Zhu Rongji die Berichte. Er behauptete, die Explosion wäre das Werk eines "Geistesgestörten" gewesen. In typisch chinesischer Manier zogen die staatseigenen Medien, ihre zuvor veröffentlichen Berichte zurück, um die offizielle Parteilinie nachzubeten. Atypisch für China war jedoch, dass die wahre Geschichte damit nicht ausgerottet werden konnte.

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