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Chinas stille ländliche Revolution

Als Chinas nationaler Volkskongress kürzlich seine Jahrestagung abschloss, stimmte er dafür, den Schutz der Menschrechte und des Privateigentums in der Verfassung zu verankern. Es sind derzeit jedoch noch andere wichtige Veränderungen in der Entwicklungsstrategie Chinas erkennbar, die erheblich weniger Aufmerksamkeit erregt haben.

Chinas gegenwärtige Führung hat ein Jahr nach ihrer Machtübernahme „das auf ein Wachstum des BIP fixierte Streben" des letzten Jahrzehnts kritisiert und einen neuen Modernisierungsansatz enthüllt, der als „ausgewogen, menschenzentriert und umweltfreundlich" charakterisiert wird. Dieser Wandel der Prioritäten - und die Neigung von Außenstehenden, ihn zu übersehen - sind nicht schwer zu verstehen.

Die Welt ist fasziniert von Chinas Wirtschaftswunder, aber sie zeigt sehr viel weniger Interesse an den Kosten, die mit der jährlichen Wachstumsrate des Landes in Höhe von 8-9 % während der vergangenen 25 Jahre verbunden sind. So ist beispielsweise der Energieverbrauch für jede industrielle Produktionseinheit in China beinahe dreimal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Vielerorts wurde die Umwelt nahezu unwiederbringlich zerstört.

Ganz ähnlich ist es, wie der kürzlich erschienene chinesische Bestseller Ein Untersuchungsbericht zur Lage der chinesischen Bauern enthüllt, mit den enormen menschlichen Kosten von Chinas Modernisierungsanstrengungen. Das Buch erregte dank seiner herzzerreißenden Schilderungen des Leidens der 900 Millionen Bauern und seiner kühnen Kritik an der Regionalpolitik der Regierung die Aufmerksamkeit sowohl der Eliten als auch des Massenpublikums.