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China muss den großen Zusammenhang sehen

NEW HAVEN – Alle Augen richten sich derzeit auf Chinas dunkle Seite. Das hatten wir schon mehrmals. Von der asiatischen Finanzkrise Ende der 1990er Jahre über die Dotcom-Rezession Anfang der 2000er Jahre bis hin zur globalen Finanzkrise der Jahre 2008/2009 wurde China stets als das nächste Land vor dem Fall dargestellt. Doch Chinas Wirtschaft trotzte den düsteren Prognosen immer wieder mit einer Widerstandskraft, die die meisten Beobachter überraschte.

Ich gehöre zu den wenigen, die nicht überrascht waren, dass sich die Warnungen vergangener Tage als Fehlalarme herausstellten. Sehr wohl beschleicht mich jetzt allerdings das Gefühl, dass es dieses Mal anders ist.

Im Gegensatz zu den meisten anderen bin ich jedoch nicht der Meinung, dass die Evergrande-Gruppe das Problem ist oder gar den entscheidenden Wendepunkt darstellt. Ja, Chinas zweitgrößter Immobilienentwickler steckt in potenziell fatalen Schwierigkeiten. Und ja, der Schuldenüberhang von etwa 300 Milliarden Dollar stellt durchaus ein Risiko für das chinesische Finanzsystem dar und könnte möglicherweise Auswirkungen auf die weltweiten Märkten haben.  Doch das Ausmaß dieses Welleneffekts wird wohl weit geringer sein, als die Warnungen derjenigen, die lauthals verkünden, Evergrande sei das chinesische Lehman Brothers, womit sie auch andeuten, ein weiterer „Minsky-Moment” könnte bevorstehen.

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