0

Können die Schwellenmärkte die Weltwirtschaft retten?

MAILAND: Während der vergangenen zwei Jahre haben die Industrieländer Perioden ernster finanzieller Instabilität erlebt. Gegenwärtig ringen sie mit zunehmender Staatsverschuldung und hoher Arbeitslosigkeit. Die einst als deutlich anfälliger angesehenen Schwellenländer dagegen haben sich als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Das Wirtschaftswachstum in China, Indien und Brasilien ist dabei, sich wieder dem Niveau vor Ausbruch der Krise anzunähern, und die Wirtschaftsleistung dieser Länder ist ein wichtiger Wachstumsmotor für die heutige Weltwirtschaft.

Das hohe Wirtschaftswachstum und die Finanzstabilität in den Schwellenländern tragen dazu bei, die massiven Anpassungen, vor denen die Industrieländer stehen, zu erleichtern. Doch hat dieses Wachstum wichtige, langfristigere Auswirkungen. Falls es bei dem gegenwärtigen Muster bleibt, wird sich die Weltwirtschaft dauerhaft wandeln. Insbesondere wird es kaum mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis der von den Schwellenländern generierte Anteil am weltweiten BIP, bei Ansetzung von Marktpreisen, die 50%-Marke übersteigt.

Es ist daher wichtig, zu wissen, ob dieses ungewöhnliche Wachstums nachhaltig ist. Die Antwort hierauf besteht aus zwei Teilen. Zum einen ist dies von der Fähigkeit der Schwellenländer abhängig, mit ihrem eigenen Erfolg klarzukommen, zum anderen von dem Maß, in dem die Weltwirtschaft diesen Erfolg bewältigen kann. Die Antwort auf die erste Frage ist beruhigend; die Antwort auf die zweite ist es nicht.

Während die Schwellenländer noch immer von ihrem Spielraum für Aufholwachstum profitieren können, müssen sie sich einem kontinuierlichen, raschen und zeitweise schwierigen Strukturwandel unterwerfen – zusammen mit einem parallelen Prozess der Reform und des Aufbaus von Institutionen. In den letzten Jahren haben die systemisch wichtigen Länder eine beeindruckende Bilanz pragmatischer und flexibler Anpassung hingelegt. Dies dürfte sich fortsetzen.