Der Brexit und die Zukunft Europas

NEW YORK – Meiner Meinung nach hat Großbritannien mit der Europäischen Union den besten aller möglichen Deals. Das Land ist Mitglied des gemeinsamen Marktes, ohne zum Euro zu gehören, und ihm wurden Ausnahmen von einer ganzen Reihe anderer EU-Regeln gewährt. Und trotzdem war dies nicht genug, um die britischen Wähler von der Entscheidung für einen Austritt abzuhalten. Warum?

Die Antwort könnte in den Meinungsumfragen vor dem „Brexit“-Referendum zu finden sein. Die europäische Migrationskrise und die Brexit-Debatte haben sich gegenseitig verstärkt. Die Befürworter des Brexit haben die Verschlimmerung der Flüchtlingskrise – symbolisiert durch die Schreckensbilder tausender Asylbewerber in Calais, die verzweifelt und um jeden Preis versuchen, nach Großbritannien zu kommen – für sich ausgebeutet und Ängste vor „unkontrollierter“ Einwanderung aus anderen EU-Mitgliedstaaten geschürt. Und die europäischen Behörden haben wichtige Entscheidungen zur Flüchtlingspolitik verzögert, um einen negativen Effekt auf die britische Abstimmung zu verhindern, aber damit wurden die chaotischen Szenen wie diejenige von Calais noch verlängert.

Die Entscheidung der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die Tore ihres Landes für Flüchtlinge weit zu öffnen, war eine inspirierende Geste, aber nicht gut überlegt, da sie den Pull-Faktor nicht berücksichtigt hat. In der ganzen EU wurden die Menschen durch den plötzlichen Zustrom von Asylbewerbern in ihrem Alltagsleben gestört.

To continue reading, please log in or enter your email address.

To continue reading, please log in or register now. After entering your email, you'll have access to two free articles every month. For unlimited access to Project Syndicate, subscribe now.

required

By proceeding, you are agreeing to our Terms and Conditions.

Log in

http://prosyn.org/QYkaL2C/de;

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated cookie policy and privacy policy.