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Ausgleich der globalen Ungleichgewichte

Gute Zeiten – und dies sind gute Zeiten für die Weltwirtschaft – sind selten der Moment, um konkrete Initiativen zur Lösung schwieriger Probleme einzuleiten. Vor diesem Hintergrund begrüße ich die Aussage einer Gruppe bedeutender Volkswirtschaften vom vergangenen Wochenende, in der diese sich zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für eine geordnete Lösung der weltweiten Ungleichgewichte bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung eines robusten Wachstums bekennen.

Während des vergangenen Jahres haben China, die Eurozone, Japan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten diese Pläne untereinander und gemeinsam mit dem IWF diskutiert. Hinter dem einigermaßen furchteinflößenden Etikett „multilateraler Konsultationen“ verbergen sich Gespräche, wie es sie so noch nicht gegeben hat – Gespräche, die sich als ein viel versprechendes Hilfsmittel im Umgang mit Problemen von globaler Tragweite erwiesen haben.

Diese fünf Volkswirtschaften sind in unterschiedlicher Weise für die globalen Ungleichgewichte relevant: entweder wegen ihrer gegenwärtigen Leistungsbilanzdefizite oder -überschüsse oder, weil ein enormer Anteil der weltweiten Produktion auf sie entfällt. Alle fünf stimmen überein, dass die Auflösung dieser Ungleichgewichte in ihrer aller Interesse liegt. Sie sind sich aber auch bewusst, dass dies eine multilaterale Herausforderung und eine gemeinsame Verantwortung für sie alle ist.

Im vergangenen Jahr hat es – teilweise aufgrund der in diesen Ländern verfolgten Politik – Anzeichen dafür gegeben, dass sich die Ungleichgewichte stabilisieren oder sogar geringfügig verringern. Aber diese Länder müssen ein Zeichen setzen, dass sie auch weiterhin gemeinsam für eine progressive und geordnete Rückführung dieser Ungleichgewichte, im Verbund mit einem nachhaltigen Wachstum, sorgen werden. Andernfalls droht der Weltwirtschaft weiterhin Gefahr durch neuerlichen Protektionsdruck sowie wirtschaftliche oder politische Ereignisse, die eine ungeordnete Auflösung der Ungleichgewichte auslösen und das Wirtschaftswachstum untergraben könnten.