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Anatomie des Thatcherismus

London – In diesem Monat jährt sich die Machtübernahme Margaret Thatchers zum dreißigsten Mal. Obwohl durch verschiedene spezifisch britische Umstände verursacht, wurde die Thatcher-Revolution – oder besser: die Thatcher-Reagan-Revolution – sofort zu einer erkennbaren globalen Marke. Die Ideen, die sich damit verbanden, standen hinter einer Politik, die die Märkte von der Einmischung durch den Staat befreien sollten. Drei Jahrzehnte später ist die Welt in einer Rezession, und viele machen genau diese Ideen dafür verantwortlich.

Und tatsächlich geht man auch jenseits der politischen Linken davon aus, dass die anglo-amerikanische Version des Kapitalismus gescheitert ist. Sie wird für den fast vollständigen Kollaps der Finanzmärkte verantwortlich gemacht. Aber mit einem Abstand von 30 Jahren wissen wir, welche Elemente der Thatcher-Revolution bewahrt bleiben und welche im Licht des heutigen Wirtschaftsabschwungs abgeändert werden sollten.

Die Ansicht, die am offensichtlichsten berichtigt werden muss, ist die, dass minimal gesteuerte und regulierte Märkte sowohl stabiler als auch dynamischer sind als die, die stark vom Staat reguliert werden. Die Annahme des Thatcherismus war, in anderen Worten, dass staatliches Versagen weitaus bedrohlicher ist als Marktversagen.

Das hat so noch nie gestimmt. Es ist erwiesen, dass der Zeitraum zwischen 1950 und 1973, als die Märkte stärker staatlich kontrolliert wurden als jemals zuvor in Friedenszeiten, einen einzigartigen wirtschaftlichen Erfolg brachte - ohne globale Rezessionen und mit höherem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und des Pro-Kopf-Bruttoninlandsproduktes, als in jedem vergleichbaren Zeitraum vorher oder nachher.